Adam Green - Adam Green & Binki Shapiro - Cover
Große Ansicht

Adam Green Adam Green & Binki Shapiro


  • Label: Concord/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 27 Minuten
Artikel teilen:
6.5/10 Unsere Wertung Legende
8.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Eröffnungstrack auf Neil Youngs neuer Scheibe dauert länger an als dieses komplette Album. Ein schlechtes Zeichen? Nur bedingt.

Als Adam Green und Binki Shapiro ihr erstes gemeinsames Musikprojekt im November 2012 dem Berliner Publikum vorstellten, war dieses - gelinde gesagt - etwas verwirrt. Nicht wegen der Musik an sich, schließlich stand zu diesem Zeitpunkt das Eröffnungsstück „Here I Am“ schon einen Monat als kostenloser Download zur Verfügung, nein, es war vielmehr das Auftreten von Binki Shapiro, das den Berlinern wohl nicht in bester Erinnerung bleiben wird. Etwas unnahbar wirkte sie, die Sängerin von Little Joy, einige würden es auch arrogant nennen. Dazu kam, dass die Show sich nur mit großer Mühe über die 45-Minuten-Marke hinwegsetzen konnte, während die Eintrittspreise mit Leichtigkeit die 30-Euro-Hürde übersprangen. Soviel zum exklusiven Einstand dieses neuen „Traumpaares des US-Undergrounds“, wie die beiden gerne in Pressemitteilungen bezeichnet werden. Gute zwei Monate später folgt nun mit „Adam Green & Binki Shapiro“ ihr selbstbetiteltes Debüt - ein Duett-Album von zwei Menschen, die laut eigener Aussage keine Duette mögen. Oh man.

Wer Adam „Greenster“ Green kennt, weiß allerdings, dass Aussagen dieser Art nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen. Was dagegen stimmt, ist die Tatsache, dass Binki Shapiro keinesfalls mit dem „Greenster“, also der wilden Seite von Adam Green, zusammenarbeiten wollte, sondern viel lieber mit dem nachdenklichen Adam, wie er auf seinem letzten Album „Minor Love“ zu hören war. Dass die Tour zu eben dieser Platte die vermutlich wildeste in der Karriere des 31-jährigen New Yorkers war, lassen wir mal außen vor. Es geht also verhältnismäßig ruhig zu auf „Adam Green & Binki Shapiro“, sowohl musikalisch als auch textuell, schließlich verarbeiten die beiden ihre gescheiterten Beziehungen oder besser: Adam Green verarbeitet den Trennungsschmerz von Binki Shapiro und umgekehrt.

Kurios? Auf jeden Fall. Aber das wirklich Verwunderliche kommt erst: Es funktioniert, überwiegend. Die einzelnen Songs sind zwar kurz, aber charmant und intensiv, fein instrumentiert und mit einem großen Wiedererkennungswert versehen. „Casanova“ und „What’s The Reward“ könnten problemlos schon vor Jahrzehnten auf einem Filmsoundtrack untergekommen sein, „Just To Make Me Feel Good“ und „Pleasantries“ erinnern ein wenig an Nancy Sinatra & Lee Hazlewood. Und mit der ersten Single „Here I Am“ haben sie sogar einen kleinen Hit im Gepäck. Alles also wieder in Ordnung, der Auftritt in Berlin vergeben und vergessen? Nein, nicht ganz. Dem Konzert ähnelnd, besitzen auch die Studioaufnahmen mit süßen 27 Minuten eine zu kurze Spieldauer und ebenso wie auf der Bühne erweisen sich auch zu Hause nicht alle Titel als große Kunst. Hier kann nur der „Greenster“ helfen, hoffen wir, dass er sich nicht für immer verabschiedet hat.

Anspieltipps:

  • Here I Am
  • What’s The Reward
  • Pleasantries
  • Casanova

Neue Kritiken im Genre „Singer/Songwriter“
8.5/10

Rough And Rowdy Ways
  • 2020    
Diskutiere über „Adam Green“
comments powered by Disqus