Christine Owman - Little Beast - Cover
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Christine Owman Little Beast


  • Label: Glitterhouse/INDIGO
  • Laufzeit: 37 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Dunkle Sog- und Anziehungskraft. Kühle Eleganz und die Farbe Rot. David Lynch und PJ Harvey in Gestalt einer schwedischen Singer/Songwriterin.

Die schwedische Singer/Songwriterin Christine Owman startete nach einer EP mit dem Debütalbum „Open Doors“ (2003), dem „Throwing Knives“ (2010) folgte. Vor allem letzteres wurde mit sehr guten Kritiken bedacht. Owman experimentiert mit Geräuschen, Lärm, diversen Instrumenten sowie Effekt-Pedalen und erzielt damit interessante Ergebnisse. Als Live-Performerin hat sie bereits auf vielen Bühnen in Europa und Übersee für Furore gesorgt. Zu obskuren Filmprojektionen der 20er Jahre spielte sie Cello, Säge, Ukulele und sang sich headbangend die Seele aus dem Leib, wobei sie die laufenden Bilder als andere Perspektive ihrer Songs sieht. Es wird von bizarren, gleichwohl wunderbaren und in Bann ziehenden Shows berichtet. Außerdem hat Christine Owman Musik für verschiedene Theater Performances in Schweden und in New York komponiert.

Das Label Glitterhouse setzt seine 2012 gestartete Singer/Songwriterinnen-Offensive (Penelope Houston, Nive Nielsen, Caroline Keating, Andrea Schroeder) fort und veröffentlicht nun „Little Beast“, das dritte Werk der Schwedin. Bereits das Coverartwork verrät einiges über die musikalische Vielfalt der Owman. Die in elegantes Netz gehüllte Hand umgarnt die scharfen Zacken einer Säge und unter dem Interpreten-Namen schwingt der Albumtitel in roten Lettern. Demzufolge sind Gefahr, Sensibilität und Erotik wichtige Zutaten der hier versammelten Songs. Dabei kennt sie keine Grenzen was die Kompositionen betrifft, sie scheint einem eigenen, einzigartigen Instinkt zu folgen.

Eine These, die bereits der Opener „Wait, No“ untermauert. Hierbei gibt das Cello einen dunklen Rhythmus vor, der mit Owmans geheimnisvoller Stimme, Geräuschen und verwehten Stromgitarren kombiniert wird. Alles andere als geräuscharm kommen „One Of The Folks“ und „Familiar Act“ daher. Auf beiden Titeln schwingt ein spannungsgeladener Cellobogen, Mark Lanegans Stimme kriecht zu Owmans, beide winden sich wie Schlangen um den mystischen Klangkörper. Die Begegnung von „Fear & The Body“ klingt, als träfe PJ Harvey auf Nick Cave. Verträumt, verspielt und dennoch nah am Alptraum, als wären wir beim Vorspann eines David Lynch-Films. Im psychotischen Mittelteil werden wir ans „Deathbed“ gefesselt, Post-Rock und Industrial sind nicht mehr weit, wobei Owmans Stimme die kühle Femme Fatale gibt.

Dem dunklen Akustikgitarren-Folk „Day 1“ folgt das entschuldigende, lärmende „I’m Sorry I“, das an eine Verschwisterung von Lykke Li mit Julee Cruise denken lässt. In rhythmischen Untiefen marschiert der „Devils Walk“ zum Schafott - oder vors Jüngste Gericht? Die totale Finsternis bleibt trotz eines Titels wie „I’d Rather Die Than Play Dead“ aus, der von einigen E-Gitarrenfiguren, einer Melodica und Owmans Stimme ins rechte Licht gerückt wird. Zum Finale breitet sich eine dunkelrote Blutlache aus. Der Lärm von „Your Blood“ verwandelt sich in eine Spieluhrenmelodie, das Cello sägt bis auf die Knochen, der Gesang schneidet unter die Haut.

Owmans neues Album hat trotz aller Dunkelheit und Dissonanzen eine kühle Eleganz, gefährliche Erotik und Versöhnlichkeit, die Staunen hervorrufen. Hierbei werden die Songs zu einer manchmal schmerzhaften körperlichen, geistigen und seelischen Auseinandersetzung, der man sich kaum entziehen kann. Christine Owmans kleines Biest ist mit Sog- und Anziehungskraft gesegnet. Bravo!

Anspieltipps:

  • Fear & The Body
  • Familiar Act
  • Day 1
  • Your Blood

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