Solange - True - Cover
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Solange True


  • Label: Terrible/INDIGO
  • Laufzeit: 28 Minuten
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9.5/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Solange alles gut geht.

Sie ist wieder da. Lange haben wir auf sie gewartet. Welcome back, Diana Ross! Äh, häh? Da steht diese wunderschöne Afro-Tante, in einen nicht so schönen, mintgrünen Anzug gehüllt, ein Bein schwingt nach rechts, das andere nach links. Die Band sieht funky aus, ein bisschen sehr schrill für den heutigen Geschmack. Man, der Song ist gut, richtig gut, und ein nettes Stimmchen hat die Dame. Keine Falten, 90-60-90. Doch nicht Diana, es sei denn, die Chirurgie hat ein Weltwunder vollbracht. Einer ihrer Auftritte aus den 80ern kann es auch nicht sein, schließlich gibt’s Jimmy Fallons „Late Night“-Show erst seit 2009. Verwirrend. Das muss gegoogelt werden. Aha. Wirklich nicht Frau Ross, sondern Frau Knowles. Solange Knowles, um genauer zu sein. Muss ja erwähnt werden, sonst rennen am Sonntag alle Beyoncé-Fans ins Kreuzberger Prince Charles und sind enttäuscht, wenn dort nur die unbekannte kleine Schwester auf der Bühne steht, die nicht so toll rumzappelt und mit dem Popo wackelt. Denn irgendwie kann man ja nur eine von beiden wirklich mögen.

Wäre Beyoncé ein saftiges Steak in Champignon-Rahmensauce, wäre Solange ein Tofuschnitzel mit Pommes und Mayo. Diva gegen Hipster, quasi. Man könnte unzählige dieser Vergleiche aufführen, käme aber immer zu demselben Schluss: unterschiedlicher könnten Schwestern nicht sein. Solange hätte es so einfach haben können. „Spring auf den Erfolgszug deiner Schwester!“, wollte man ihr raten. Aber die Kleine hat Biss, ein anderes Verständnis von Musik und offensichtlich keine Lust, sich mit fremden Federn zu schmücken. So streckte sie Hit-Produzenten wie Babyface den Mittelfinger entgegen und hakte sich stattdessen unter Dev Hynes‘ Arme, den die Indie-Kids von heute besser unter dem Namen Blood Orange kennen. Herausgekommen sind sechs neue Stücke und ein Coversong; eine magere Ausbeute, wenn man bedenkt, dass Solange das letzte Mal vor fünf Jahren von sich hören ließ. Überraschender Weise ist „True“ aber alles andere als eine dieser belanglosen EPs, die man als bloße Überbrückung bis zum nächsten Longplayer degradieren könnte. Hier kann man nicht mal schwuppdiwupp einen Song überspringen. Und wenn, dann hat man was verpasst.

„Losing You“ ist zweifelsohne das Zugpferd von „True“ und jetzt schon einer der besten Songs 2013. Beginnend mit animierendem Händeklatschen und einer sich durchziehenden, unglaublich angenehmen Monotonie wird eine Frühlingsgefühl-Wunderwelt erschaffen, genau das Gegenteil von dem, was Trennungstitel normalerweise bewirken. Es scheint, als gehöre es zum Kunstverständnis von Hynes und Knowles, melancholische Texte mit fröhlichen Klängen kollidieren zu lassen. Ob das von Schuldgefühlen geplagte „Lovers In The Parking Lot“ oder das von Meister Hynes gecoverte, nur diesmal aus der Sicht des bösen Mädchens erzählte „Bad Girls“: die sommerliche Leichtigkeit wird plötzlich so schwer bei all dem Herzschmerz. Ambivalent, aber makellos. Wer diese EP auf der kommenden Sommer-Gartenparty nicht spielt, ist ein mieser Gastgeber und ein Kulturbanause obendrein.

Devonté hat in Solange seine Muse entdeckt, seine weibliche Seite, und selten harmonierten Künstler und Produzent so gut miteinander, wie diese beiden. Aus diesem Grund sollten sie vorerst nicht getrennte Wege gehen. Wäre doch schade, wenn Solange‘ nächste Platte nicht mehr nach den guten 80ern klänge, sondern wie das letzte Album ihrer Schwester. Sicher ist: auch wenn so ein Heini von CDstarts.de beinahe die Höchstpunktzahl an die „True“-EP vergibt, wird Solange damit keine Verkaufsrekorde brechen, dafür macht sie zu wenig Lärm um ihre Person. Die Hülle sollte trotzdem nicht aus roter Pappe sein, sondern aus Gold. Aus purem Gold.

Anspieltipps:

  • Losing You
  • Lovers In The Parking Lot
  • Bad Girls
  • Some Things Never Seem To Fucking Work
  • Locked In Closets

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