José James - No Beginning No End - Cover
Große Ansicht

José James No Beginning No End


  • Label: Blue Note/EMI
  • Laufzeit: 65 Minuten
Artikel teilen:
5.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

José James könnte den einen Hit geschrieben haben, der ein sonst sperriges Album der breiten Masse öffnet.

José James hat sich ganz allein daran gemacht, sein neues Album „No Beginning No End“ zu produzieren. Ohne Druck und Ansprüche seitens eines Labels konnte sich der Soul-Anhänger ganz nach Belieben austoben. Das Ergebnis schlägt sich in langen Spieldauern pro Track nieder und der Besonderheit, dass der potenzielle Hit des Albums lediglich der Bonus-Track ist. Ob die von James dargebotene lange Kost auch langwierig wiegt, ist damit allerdings noch nicht ausgemacht.

So einfach man José James schon mit dem Opener „It's All Over Your Body“ vors Eigenproduktionsgericht zerren möchte, darf man nicht vorschnell handeln. Ja, „It's All Over Your Body“ ist dieser typisch repetitive Soul-Song, der sich an ein und derselben Stimmung aufhängt und nach knapp drei Minuten längst seine vorgesehene Besuchszeit überschritten hat. Doch gleich im Anschluss kommt mit „Sword + Gun“ ein rhythmisch getriebener Track, welcher den neueren Radiohead (man höre „Lotus Flower“ als Vergleich) alle Ehre machen würde. Dazu gesellt sich dann noch die zeitlich knapper bemessene Old-School-Soul-Nummer „Trouble“, die beweist, dass James nicht über die Stränge schlagen muss.

Und gerade wenn man daran glaubt, dass James wirklich die Kurve bekommen hat, wird man vom weiteren Verlauf des Albums wieder auf den Boden der Tatsachen geholt. Der Opener war kein Ausrutscher, da noch oft zu sehr auf einfache Rhythmen ohne viel Aussagekraft gesetzt wird. Dieser Ansatz streckt die Lieder künstlich und lässt das Ende oft schneller herbeisehnen, als es die Tracks vielleicht verdient hätten. Dass ausgerechnet „Do You Feel“ zu den kurzweiligen und strukturell gelungenen Liedern gehört, überrascht bei den knapp 8 Minuten, welche der zweitlängste Track des Albums andauert. Man kann also gar nicht an der einfachen Spielzeit ausmachen, wann sich die Arrangements des jungen Künstlers wieder strecken.

Für ein gelungenes Hörerlebnis lassen sich im Endeffekt zu wenige Vorzeigebeispiele ausmachen. Der Closer „Tomorrow“ als minimalistische Piano-Ballade, bereits genanntes „Sword + Gun“ und der Bonus-Track „Come To My Door (Acoustic)“ sind zwar hochklassig, stehen aber letztlich allein auf weiter Flur. Dabei hat allein die Akustik-Version von „Come To My Door“ genug Sogkraft, um als Single den Musiker José James in neue Höhen zu katapultieren. Dank des Duetts und viel mehr Gefühl wird der Bonus-Track so zur Perle, die sich im Haufen eines handwerklich mittelmäßigen Albums versteckt. Das ist bezeichnend und führt zu der Bewertung, dass James' neues Album eines von vielen ist und nicht mehr.

Anspieltipps:

  • Come To My Door (Acoustic)
  • Sword + Gun
  • Tomorrow

Neue Kritiken im Genre „Soul“
Diskutiere über „José James“
comments powered by Disqus