Cult Of Luna - Vertikal - Cover
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Cult Of Luna Vertikal


  • Label: Indie Recordings/EDEL
  • Laufzeit: 68 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Vertonung der Übernahme der Erde durch Maschinen müsste sich genauso anhören: kalt, düster, präzise und mit unbändiger Kraft.

„I’ll be back“ sagte einst eine menschenähnliche Blechbüchse in Gestalt von Arnold Schwarzenegger, auch bekannt als T-800, im Film Terminator. Zurück sind auch Cult Of Luna, nach einer fünfjährigen Abstinenz liefern die Schweden ein neues Album ab, das durchaus der Soundtrack zum Terminator-Film hätte sein können. Das instrumentale Intro „The One“ erinnert mit seinen Synthies und der maschinellen Atmosphäre ganz besonders an diesen Filmklassiker. Eigentlich diente aber ein ganz anderer Filmklassiker als Inspiration für die Musik: das ebenfalls von Maschinen geprägte „Metropolis“ von Fritz Lang, dessen überarbeitete, lange Version nach über 80 Jahren in 2011 wieder in die Kinos kam. Die klangliche Nähe zu Terminator ist gewiss kein Zufall, denn welch andere Filmmusik des letzten Jahrhunderts hat die Kühle des Metalls von Maschinen besser verkörpert?

Nach zwei Minuten ist aber Schluss mit dem Vorgeplänkel. Übermächtige Schreie bahnen sich ihren Weg aus den Kehlen von Persson und Kihlberg (einzig Klas Rydberg ist nicht mehr mit von der Partie). Becken, die wie Dampf entlassende Ventile von Maschinen klingen, majestätisch dunkle Riffs, die durch die Luft peitschen und verstörende Elektronikklänge, die durch die Gehörgänge wirbeln. Der Untergang ist ganz nah, die Apokalypse wird nicht lange auf sich warten lassen. Schnell noch die letzte Mahlzeit genießen oder sich einfach dem nahenden Schicksal fügen, denn die dunkle Macht der Maschinen breitet sich wie ein Schleier über das Land aus. Sie walzen einfach alles platt, mit einer unmenschlichen Präzision, einer immensen Kraft und einem einprogrammierten Hass.

Zwei Stücke von „Vertikal“ gefallen auf Anhieb, weil sie typisch für Cult Of Luna sind, also alle charakteristischen Eckpfeiler ihrer Musik (siehe oben) enthalten („I: The Weapon“ und „In Awe Of“). Die anderen Stücke müssen erst erarbeitet werden, deshalb ist auch der eine oder andere Musikredakteur am Album gescheitert, weil er nicht die nötige Zeit und Geduld investiert hat. Das zentrale 19-minütige Stück „Vicarious Redemption“ braucht alleine sieben Minuten, um aus dem Pudding zu kommen, aber welch eine unglaublich intensive Aura diesen Pudding umgibt, dies muss die 3 Kilogramm schwere Masse zwischen den Ohren erst zu fassen bekommen. Einige Stücke beschränken sich auf den Aufbau und Erhalt der kalten, dunklen Atmosphäre, andere treiben wiederum die Geschichte voran mit all dem Zischen, Pfeifen und Zirpen der Maschinen.

Am Ende ist sie wieder da, die Frage der Fragen: Wie schaffen das diese Schweden? Jedes Mal aufs Neue ein sagenhaftes Album zu erschaffen, ein Meisterwerk nach dem anderen. Es hat mit „Salvation“ begonnen, ging mit „Somewhere Along The Highway“ und „Eternal Kingdom“ weiter und macht auf „Vertikal“ keinen Halt. Klar, es braucht auch diesmal unendlich viel Zeit, um in das Werk einzutauchen, es wenigstens ansatzweise zu er- und begreifen. Wenn man es aber zu dem sogenannten Punkt ohne Wiederkehr schafft, zieht einen die Atmosphäre in den Bann, der Hörer ist wehrlos ausgeliefert. Wer waren nochmal Isis und Neurosis?

Anspieltipps:

  • Vicarious Redemption
  • In Awe Of

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