The Irrepressibles - Nude - Cover
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The Irrepressibles Nude


  • Label: Cooperative/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 46 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
3.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Zieht euch wieder an!

Nee, das ist kein neues Seelen-Striptease-Album von Christina Aguilera, auch wenn der Titel „Nude“ darauf schließen ließe. Was man auf diesem Album zu hören bekommt, ist möchtegern-künstlerischer Chamber Pop von The Irrepressibles, der Gruppe, die mit dem homoerotischsten Musikvideo seit Placebos „Protège Moi“ zumindest in Planet Romeo-Kreisen ziemlich bekannt geworden ist. Den unter dem Namen „The Lady Is Dead“ kursierenden Clip, dessen Gehalt dezent durch die damalige Single dieser Band, „In This Shirt“, unterstrichen wurde, haben sich seit Juli 2010 bereits 1.800.000 Leute angesehen und sind seitdem ganz verrückt nach den acht Zirkus-Musikanten. Aber ein bemaltes Gesicht allein reicht nicht, um zu Weltruhm zu gelangen. Diese schmerzliche Erfahrung musste auch schon Fever Ray machen, auch wenn die einiges mehr auf dem Kasten hat(te).

Mal ganz unter uns: „In This Shirt“ ist schon ein toller Song, und tolle Songs gibt’s auch auf dem zweiten Album, aber zu viele Köche verderben eben den Brei. Acht Mitglieder sind offensichtlich sieben zu viel, denn was die können, kann Patrick Wolf allein zehn Mal besser. Leadsänger Jamie McDermott hat eine technisch perfekte Stimme, was viele Musikliebhaber wohl genauso zu schätzen wissen wie das Talent von The Irrepressibles, mit dem aus einer Violine, Bratsche, Gitarre, einem Cello, Bass, Klavier und wenig Percussions bestehenden kleinen Orchester wunderbar traurige Stimmungen zu erzeugen. Tatsächlich schnürt einem die Schwere mancher Titel die Kehle zu, jedoch hat man sich nach elf Stücken schlichtweg daran gewöhnt und atmet so leicht ein und aus wie schon lange nicht mehr. Was dem Album also fehlt, ist der bleibende Eindruck, der Wow-Effekt am Ende des Ganzen.

„Pale Sweet Healing“ ist somit auch fast das Einzige, woran sich der Hörer nach den sechsundvierzig Minuten erinnern kann. Dieses Stück als melancholisch zu bezeichnen, wäre eine Untertreibung, und auch wenn sich all die Spannung in der letzten Minute, im Grand Final, entlädt, fühlt man sich niedergeschlagen und seltsam berührt zurückgelassen. Beinahe könnte man von musikalischer Perfektion sprechen, würde einem da nicht dieser einfallslose Text ein Dorn im Auge sein. „Take off your clothes / I wanna see you naked / Give me your hands to touch / I know you’ve longed to be here“ könnte auch aus der Feder von Rainer Brüderle stammen und zaubert einem bestenfalls ein Runzeln auf die Stirn. Der erste Teil der Platte kann dank „New World“ und „Two Men In Love“ mehr glänzen als der zweite, der es dem Rezensenten durch „To Be“ und „The Opening“ unmöglich macht, „Nude“ auch nur ansatzweise als hervorragendes Werk zu betrachten.

Leider überzeugen The Irrepressibles weder mit ihrem Image noch mit ihrer Musik, sodass die Luft am Musikhimmel bald dünn werden könnte. Vielleicht wird das eine oder andere Lied auf dem CSD-Wagen der alles-hassenden Emo-Stuten ertönen; das wird’s dann aber auch gewesen sein. Dieser Band scheint es nicht vergönnt zu sein, mehr als einen umwerfenden Song pro Album zu produzieren. Wie tragisch!

Anspieltipps:

  • Pale Sweet Healing
  • New World
  • Two Men In Love

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