Chris Darrow - Artist Proof - Cover
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Chris Darrow Artist Proof


  • Label: Drag City/Rough Trade
  • Laufzeit: 46 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Country-Rock mit Soul aus den schier unerschöpflichen 70ern. Das Chris Darrow Reissue überzeugt auf der ganzen Linie.

Chris Darrow begann seine Karriere in den 60ern als Bluegrass-Musiker in der Dry City Scat Band, der auch David Lindley angehörte. Mit ebendiesem sowie Solomon Feldthouse und Max Buda war er Mitbegründer der legendären Kaleidoskope, die keine Hitsingles fabrizierten, sich jedoch einen so erstaunlichen wie verdienten Kultstatus erspielten. Jimmy Page von Led Zeppelin hat sie als seine „favorite band of all time“ bezeichnet. Darrow war außerdem Mitglied der Nitty Gritty Dirt Band und als Begleitmusiker von Linda Ronstadt, John Stewart, Hoyt Axton und James Taylor aktiv. Zudem startete er zu Beginn der 70er seine Solokarriere und veröffentlichte exzellente Soloalben, von denen sein 1972 veröffentlichtes Debüt „Artist Proof“ jedoch etwas unterging und im Schatten von „Chris Darrow“ (1973) und „Under My Own Disguise“ (1974) stand.

Glücklicherweise hat sich nun das Label Drag City Chris Darrows Solodebüts angenommen und mit fünf Bonustiteln wiederveröffentlicht. Dabei entpuppt sich „Artist Proof“ als wahre Schatzhebung. Wer mit Singer / Songwritern im Country-Rock Kontext nicht auf Kriegspfad steht, der kommt an diesem Werk nicht vorbei. Jingle-Jangle-Gitarren, zirpende Mandolinen, eine jauchzende Pedal Steel, federleichtes Rhythmusspiel, jubilierende Sing- und Harmoniestimmen und Fiedel sowie ein klimperndes Piano sorgen für gute Stimmung oder bereiten das Feld für herzerweichende Balladen.

Bei einigen Stücken geht förmlich die Sonne („Beware Of Time“, „The Show Must Go On“) oder der Mond („Shawnee Moon“) auf. Selbst wenn der Titel „The Sky Is Not Blue Today“ nichts Gutes verheißt und häufiger nachdenkliche Momente Einzug halten („Move On Down The Line“, „Song For Steven“, „Keep On Trying“), tragen die Songs eine kleine feine Portion Optimismus in die Welt hinaus und leuchten am balladesken Country-Rock Firmament. Der Leadsänger der Fruit Bats, Eric D. Johnson, hat die vom Piano dominierte Ballade „We Can Both Learn To Say I Love You“ verdientermaßen in seinen “Top 10 Gentle Songs Of Devotion And/Or Heartsickness” aufgeführt. Zudem bietet das Reissue als Bonus fünf Studio- und Home-Demos als interessante Ergänzung zum Original.

„Artist Proof” darf im Plattenregal gerne zwischen „For Everyman“ (1973) von Jackson Browne und „Tupelo Honey“ (1971) von Van Morrison platziert werden und ist demzufolge stilistisch sowie bezüglich des Erscheinungsjahres das fehlende Bindeglied zwischen Country-Soul und Country-Rock. Das Label Drag City hat einen verborgenen Schatz aus den schier unerschöpflichen 70ern gehoben!

Anspieltipps:

  • Beware Of Time
  • Song For Steven
  • The Show Must Go On
  • We Can Both Learn To Say I Love You

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