Emergency Gate - You - Cover
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Emergency Gate You


  • Label: Golden Core/ZYX
  • Laufzeit: 46 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch Emergency Gate hinken dem neuen Jahrtausend brav hinterher.

Ach ist das schön, wenn Langeweile herrscht. Keine Veränderung und kein gar nichts. Immer wieder predigen andere (und wer ehrlich ist, man selbst auch), dass doch früher alles besser war. Was soll dieser moderne Mist von Lady Gaga und Konsorten? Nun, diese Nörgler sollten sich mal weitgehend die Schubladen des Metal anhören. Hier wird seit knapp 20 Jahren auf das immer gleiche Schema F gesetzt. Als würden vorm Tonstudio Flyer mit den Anforderungen ausgegeben, welche Stereotypen Metal-Bands zu erfüllen haben. Die traurige Realität spiegelt sich auch in der Münchner Metal-Mannschaft Emergency Gate wider.

„Mindfuck“ verrät innerhalb von vier Minuten, wie man sich das komplette Album vorzustellen hat. In den Strophen liefert sich das Shouting ein erbittertes Duell mit halsbrecherischen Drums, wogegen die Refrains nur so vor (gewolltem, aber nicht immer gekonntem) Pathos strotzen. Das altbackene Keyboard hingegen hilft den wilden Gitarrenriffs (die unter dem Schlagzeug wie immer untergehen), Melodie ins „brutale“ Chaos zu bringen. Das klingt nach einer wilden Achterbahnfahrt, die ursprünglich auch einer der Reize des Power Metal ist. Wenn spätestens der dritte Song (in diesem Fall „Moshpit“) dieses immer gleiche Konstrukt mit gähnender Einfallslosigkeit wiederholt, dann ist es wahrscheinlicher, dass diese Tour de Force den Puls herunter statt hinauf treibt.

Das gute alte Prädikat „für Fans“ fällt einem ein, wenn man diesen Mix hört. Wer technisch veraltete Melodien aus dem Synthesizer mag und vorher genau wissen will, wann wieder geshoutet wird und wie episch der Chorus ausfällt, dann ist Emergency Gate die richtige Adresse. Die Band lässt sich schlichtweg nicht genug einfallen, um ihre einzelnen Tracks voneinander zu unterscheiden. Handwerklich ist der Spaß gut gelungen, wenn man von der fragwürdigen Zeitlosigkeit des Genres absieht. Man würde gerne auf Unterschiede hinweisen, doch bis zur Halbballade „Lean On Words“ kann man das getrost vergessen.

Danach gibt es tatsächlich so etwas wie frischen Wind. Die Keyboard-Klänge bekommen sphärische Soli in gänzlicher Stille zugewiesen („Regret“) und „Back From The Grave“ gibt sich überraschend melodisch wie eine klassische Power-Metal-Nummer, die auf Screams und Shouts weitestgehend verzichtet. Die emotionale Hymne „Say Goodbye“ setzt dem Ganzen die käsige Krone auf und man weiß einfach nicht, was man mit dieser schon mal gehörten Musik anfangen soll. Eigentlich machen Emergency Gate gar nicht so viel falsch, doch es klingt alles so veraltet und bekannt, dass wohl nur Hardcore-Fans ohne gute Alternative nicht schon nach 10 Minuten abschalten.

Anspieltipps:

  • Mindfuck
  • Lean On Words
  • Regret

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