Lisa Loeb - No Fairy Tale - Cover
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Lisa Loeb No Fairy Tale


  • Label: Neo/Sony Music
  • Laufzeit: 38 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
4.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Tut niemandem weh und braucht auch niemand: Radio-Pop für alle.

So richtig in Vergessenheit geraten ist Lisa Loeb nie. Ihr Hit „Stay (I Missed You)“ (vom Soundtrack „Reality Bites - Voll das Leben“) wird auch heute noch im Radio gespielt. Damals schaffte sie den Sprung an die Spitze der US-Charts ohne Plattenvertrag. Ein Novum in den Staaten bis zum heutigen Tag. Sie ist ein Kind der 90er, denen sie auf ihrem neuen Longplayer mit „The 90’s“ ein musikalisches Denkmal setzt. Für ihr aktuelles Werk hat sie mit dem New Found Glory-Gitarristen Chad Gilbert zusammengearbeitet, der als tätowierter Post-Punkrocker den Gegenpart zur Singer/Songwriterin mit Brille abgibt.

„No Fairy Tale“ ist alles andere als ein Märchen, denn die 12 Songs sind geradezu geschaffen für das erwachsene Pop-Radio und geizen nicht mit Melodien, Hooklines, einer ausdrucksstarken Stimme und druckvoller Produktion. Woran mangelt es dann an Lisa Loebs neuer Scheibe? Größter Mangel ist, dass bei einem relativ ordentlichen Songwriting die Emotion beinahe zur Gänze auf der Strecke bleibt. Alles wurde glattgebügelt, glasklar kommen die E-Gitarren aus den Boxen, die Rhythmusgruppe spielt sauber und versiert, Loeb singt mit Power, hat eine gute Stimme, wie sie viele andere auch haben, leider versteht sie es nicht, den Hörer zu bewegen, geschweige denn in Aufruhr zu versetzen.

Im Grunde ist dies Musik, die lediglich als Hintergrundtapete ihre Funktion erfüllt. Da lässt sich allerlei nebenbei erledigen: Putzen, Bügeln, Geschirr spülen etc., dies mag mit Loebs neuer Platte durchaus leichter von der Hand gehen und Menschen, die nur mit wenig Interesse an Musik herangehen, dürften hierbei so etwas wie Hörvergnügen entwickeln. Positiv müssen zumindest drei Songs hervorgehoben werden, zum einen „Walls“, das mit einer kleinen Portion The Bangles-Charme aufwartet, zum anderen die Balladen „Weak Day“ und „Ami, I’m Sorry“, die zumindest ein wenig Emotion ins Spiel bringen.

Loebs neues Album tut niemanden weh, wirklich brauchen wird das auch niemand, wobei es sich natürlich gut verkaufen lassen wird, weil es eben Radio-Pop für alle ist. Da hat auch der
tätowierte Punkrocker nichts dran ändern können. Vielleicht sollte sich Lisa Loeb ganz auf Musik für Kinder spezialisieren, schließlich hat sie bereits zwei Alben ausschließlich für kleine Hörer aufgenommen und selbst das misslungene Coverartwork suggeriert eine Art Supernanny.

Anspieltipps:

  • Weak
  • Walls
  • Ami, I’m Sorry

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