New Order - Lost Sirens - Cover
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New Order Lost Sirens


  • Label: London Records/WEA
  • Laufzeit: 39 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

„Was soll das heißen: Ankommen im Jahr 2013?“ New Order machen eben nicht jeden Scheiß mit…

Stell dir vor, eine der prägenden Gruppen der 1980er-Jahre veröffentlicht 2013 eine Restesammlung - und keinen juckt’s. Irgendwie fehlt wohl die Zielgruppe: Wer damals selbstvergessen zu „Blue Monday“ tanzte, muss heute eben anspruchsvollen Jazz hören (so er/sie denn Akademiker ist) oder löffelt als Hausfrau den Geschmacksbrei von Phil Collins oder Joe Cocker. Ein (Tanz-)Boden für die noch immer sehr gern nach jung und verzweifelt klingenden Melodien von New Order existiert faktisch nicht mehr.

Eigentlich ist das schade, denn schlecht ist „Lost Sirens“ sicherlich nicht. Der Makel des Übriggebliebenseins hängt jedem der acht Songs an, wurden diese doch einst als zu leicht für das von Liebhabern und Kritikern ohnehin zwiespältig aufgenommene Werk „Waiting For The Sirens Call“ bewertet. Die sieben verlorenen Songs („Hellbent“ war bereits auf einer Sammlung ihrer schönsten Lieder vertreten) fräsen sich dennoch erstaunlich eingängig in die Ohren des geneigten Hörers.

Klar ist es immer eine Frage des Maßstabs, wie ein solches Alterswerk zu beurteilen ist: Gemessen an dem, was die Vorgängerband „Joy Division“ der Welt einst an ergreifend vertonten Gefühlen schenkte, oder dem, was New Order zu ihren erfolgreichsten Zeiten an Hits für die Ewigkeit produzierten, ist das vorliegende Album - Verzeihung - einen Dreck wert. Verglichen mit dem, was andere ehemals erfolgreiche Künstler ihrer Zeit heuer noch so auf den Markt bringen, wenn das Geld knapp wird (man höre etwa bei Duran Duran nach…), ist es indes durchaus solide, was Frontmann Bernard Sumners und Konsorten hier anbieten.

Auch die durchaus soundprägenden Elemente von Bassist Peter Hook, der sich nach den Aufnahmen im öffentlich geführten Streit von der Gruppe trennte, sind hier noch zu hören. Lost Sirens versammelt vermutlich letztmalig all das, was New Order im Original ausmacht: Weitgehend kantenfreie Vertreter einfachsten Synthesizerpops mit ebensolchen Texten - und manch schöner Melodie („I’ve got a Feeling“). Und auch ihr nicht vorhandenes Gespür dafür, wann in einem Song alles gesagt ist und eine weitere Wiederholung des Refrains langweilt, weisen die alten Electropop-Helden einmal mehr eindrücklich nach. Tut alles nicht weh, weil’s nicht wirklich berührt. Doch schämen muss sich niemand, der mit diesem Album alten Zeiten nachspüren möchte und es zwischen Cocker, Collins oder Charlie Parker in die Plattensammlung sortiert.

Anspieltipps:

  • Sugarcane
  • Californian Grass
  • I’ve Got A Feeling

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