Villagers - Awayland - Cover
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Villagers Awayland


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Die beliebten Iren mit neuen Experimenten.

Conor O’Brien ist das, was man sich unter einem erfolgreichen Musiker vorstellt. Er besitzt nicht nur eine Stimme mit Wiedererkennungswert und den fast obligatorischen, ausgeprägten Sinn für Melancholie, sondern seit einigen Jahren auch eine Band, die ihm dabei hilft, seine musikalische Verdrehtheit auf den Punkt zu bringen: The Villagers. Zweieinhalb Jahre hat es gedauert bis die fünf Iren der wartenden Fangemeinde einen würdigen Nachfolger für ihr Debütalbum präsentieren wollten.

Angeblich war O’Brien in letzter Zeit nicht deprimiert genug, um düstere Texte zu schreiben. Die Inspiration kam dieses Mal nicht von innen, stattdessen ging er viel aus und ließ sich von anderen Musikrichtungen - vorrangig aus der elektronischen Sparte - beeinflussen. Ob ihn sein Besuch in Berlins berühmtem „Berghain“ musikalisch tatsächlich weitergebracht hat, bleibt Spekulation. Fakt ist, die Villagers haben auf dieser Platte einen abwechslungsreichen Mix aus verschiedenen Einflüssen geschaffen.

Dabei bleibt eines fast durchgängig konstant und ist daher erwähnenswert: viele der Songs starten ruhig, fast entspannt, bevor sie schneller, härter und verrückter werden und nicht selten mit einem großen Knall enden. „Earthly pleasure“ zum Beispiel erzählt eine Geschichte, deren erster Schauplatz eine Toilette ist. O’Briens Gesang, mehr gesprochen als gesungen, wird durch seinen irischen Akzent und die „belegte“ Stimme bemerkenswert untermalt, während der Song verspielt bleibt, sich aber nach und nach steigert. In „The Waves“ ertönt ein ähnlich verspielter Hintergrund, passend zum Text (look at the stars/ look at the trees) mit fast hüpfendem Beat. Das Lied wird schneller und lauter, es ertönen immer wieder die Worte „approaching the shore“. Gegen Ende fühlt man sich wirklich, als würde man mit unaufhaltsamer Wucht auf die Küste treffen - und wird plötzlich gerettet.

Auch „Judgement call“ ist ähnlich aufgebaut, jedoch weniger aggressiv. In „The Bell“ wiederum hat man das Gefühl, sich in einem James Bond Film zu befinden und das Instrumentalstück „Awayland“ bedient sich experimenteller Elemente. Das melodischste Lied, das dadurch jedoch noch lange keinen Mainstream darstellt, ist „Nothing arrived“, mit gewitzter, typisch unterschwelliger Melancholie: (I waited for something and something died / so I waited for nothing and nothing arrived ). Kurzum, die Platte ist abwechslungsreich, auf eine angenehme Art und Weise, denn mit jedem Mal Hören entdeckt man etwas Neues.

„In a newfound land you are free” singt O’Conor eine Zeile, die kaum sinnbildlicher sein könnte für das neue Werk der Villagers: „Guess I’m losing my trail here, but it takes loss to be free“. Viel hat sich verändert, die Traurigkeit der alten Zeiten ist ein bisschen auf der Strecke geblieben und immer mal wieder hat man das Gefühl, die Band verliere sich in ihren musikalischen Experimenten. Doch wenn man es bis zum Ende des Titels schafft, wird deutlich: Es hatte alles seinen Sinn. Und der ist gut.

Anspieltipps:

  • The Waves
  • Judgement Call
  • Nothing Arrived
  • In a new found place you arrived

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