Everything Everything - ARC - Cover
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Everything Everything ARC


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 48 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
9/10 Leserwertung Stimme ab!

Alles gar nicht so einfach auf „Arc“.

Normal war das nicht, was Everything Everything auf ihrem Debüt „Man Alive“ präsentierten: Genregrenzen überschreitende, schwer definierbare Indie-Pop-Songs, vielleicht etwas zu clever arrangiert und mit einem Gesang versehen, den die einen wie selbstverständlich lieben und die anderen mit ähnlicher Intensität hassen. Falsettgesang eben, nicht im harten Modern Talking-Style, aber schon so, als hätte die deutsche Synchronstimme von Eddie Murphy eine LP eingesungen. Interessant war die ganze Sache trotzdem irgendwie, erfolgreich auch, immerhin stiegen die vier Briten auf Platz 17 der UK Album Charts ein. Das ist jetzt alles fast zweieinhalb Jahre her und mittlerweile steht bereits der Nachfolger „Arc“ in den Plattenläden. Wir sind gespannt...

...und werden mit dem Eröffnungstrack „Cough Cough“ auch vorerst nicht enttäuscht. Alles ist wieder minimal anders als bei vergleichbaren Acts. Die Songstrukturen sind knifflig, das Schlagzeug stampft, gelegentlich stoßen Synthies aus dem Hintergrund hervor. Ein toller Song, dem das musikalische Fachwissen seiner studierten Schöpfer förmlich ins Gesicht geschrieben steht. Wären mal alle Stücke auf „Arc“ so geworden. Stattdessen bekommt die Leistungskurve bereits mit der aktuellen Single „Kemosabe“ einen leichten Knick, der sich auch durch das anschließende „Torso Of The Week“ nicht aufhalten lässt. Was ist da los? Man könnte sagen: Es passt alles nicht mehr so gut zusammen wie zum Beginn des Albums, der Refrain von „Kemosabe“ nervt gewaltig, die Textzeile „at the border, at the, at the border, I'm at the border, at the, at the border“ auch. Bei „Torso Of The Week“ ist es andersherum: Hier überzeugt der Refrain, dafür reißen andere Teile des Songs das Gesamtergebnis nach unten.

Und in dieser Reihenfolge geht es munter weiter: Auf das angenehm zurückhaltende, vor großen Momenten nur so strotzende „Duet“ folgt mit „Choice Mountain“ wieder so ein Song, der das Niveau nicht halten kann, bevor „Feet For Hands“ erneut für einen Aufschwung sorgt. Wir können das hier also für die ausstehenden Stücke auch verkürzen: Bei „Armourland“, „Radiant“ und vor allem „Don’t Try“ passt der Stil-Cocktail, beim gesamten Rest eher nicht. Sie machen es einem nicht leicht, die Musikwissenschaftler von der Insel, aber das war eigentlich schon im Vornherein absehbar. Und zum Abschluss noch ein Tipp für alle Hörer, die sich nach „Arc“ etwas ratlos zurückgelassen fühlen: Zur Neutralisation empfiehlt sich ein Singer/Songwriter-Album, möglichst nur ein Typ mit seiner Gitarre, nichts weiter drum herum. Und um Gottes Willen: Er möge tief singen.

Anspieltipps:

  • Duet
  • Cough Cough
  • Don’t Try

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