Naked Lunch - All Is Fever - Cover
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Naked Lunch All Is Fever


  • Label: Tapete/INDIGO
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Naked Lunch und ihr Hang zum gebrochenen Pathos-Pop gehen weiter berauschende Wege, ohne vollends zu begeistern.

Die Österreicher von Naked Lunch haben sich zwischen ihrem Beitrag zu der Theateradaption von „Amerika“ (Franz Kafka) und dem Verschmelzen von Musik und Film bei „Universalove“ einen ganz eigenen Kosmos im Indie-Pop geschaffen. Dieser vollzieht sich zwar in melancholisch erobernden Songwriting-Künsten, wirkt auch ohne das Wissen um ihren künstlerischen Überbau, doch das wenig Greifbare in den Zwischentönen und der vollends elegante Ausdruck zieht den Hörer tief hinein in die Welten von Naked Lunch, die gleich beim Opener von „All is Fever“ deutlich werden.
„Keep It Hardcore“ startet mit einem erdigen Rock-Fundament, das sich langsam aber mit großer Dringlichkeit in das Gehör vorschiebt und dabei lässig wie augenzwinkernd festlich intoniert den Echtheitsanspruch manifestiert. In umgarnende Orgelsounds gebettet geht sich das hier schon überaus stimmig und mitreißend an. Dort macht auch „The Sun“ weiter. Dick aufgetragen kommen darin Streicher ins Spiel, die ihren perfekten Widersacher in Zeilen wie „I did it with my best friend´s wife, it felt like paradise“ finden und im besten Sinne an Meister der britischen Pop-Musik erinnern. Wenn die Streicher und Orgel Hand in Hand mit pathetischen Melodien gehen, der Gesang Oliver Welters ganz beiläufig Herzen heilt, ist es eben immer ein Gewinn, auch doppelbödig den Kontext zu brechen.

Das perfektionieren Naked Lunch auf „All Is Fever“ weiter, obgleich der Longplayer seine anfängliche Stärke nicht durchgehend halten kann. „Shine On“ suhlt sich dafür zu sehr in der uramerikanischen Folk-Tradition, gibt im weiteren Verlauf halbherzig an stampfendem Rock ab, um im folgenden „Dreaming Hiroshima“ zusammen mit Gustav minimalistisch balladesk wieder in eine großartige Stimmung einzutauchen. Bollywood-Flair beehrt dagegen „41“ und wird am Ende des Stückes vorteilhaft von verzerrten Sounds aus dem allzu grellen Licht befördert. So treffen sich Licht und Schatten auf einem überdurchschnittlichen Album, das zeitweise zu viel will und die durchgehende Konsequenz vermissen lässt.

Anspieltipps:

  • Keep It Hardcore
  • At The Lovecourt
  • The Sun
  • Dreaming Hiroshima

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