Flyleaf - New Horizons - Cover
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Flyleaf New Horizons


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 36 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Amerikanischer Alternative Schnittenmetal auf dem schmalen Grat zwischen bemüht und langweilig.

In Europa konnten Lacey Sturm (Gesang), Sameer Bhattacharya (Gitarre), Jared Hartmann (Gitarre), Pat Seals (Bass) und James Culpepper (Schlagzeug, Perkussion) alias Flyleaf eigentlich nie so recht Fuß fassen. Die Mischung aus energiegeladenen Riffs, einprägsamen, wenn auch bisweilen etwas bockigen Melodien, einer wandlungsfähigen Stimme, die dort weitermacht, wo z.B. eine Avril Lavigne oder Hayley Williams (Paramore) das Weite suchen, sowie einer Erste-Klasse-Produktion von Howard Benson (Papa Roach, My Chemical Romance, P.O.D. , The Used) ließ sich in unseren Breitenkreisen trotz Soundtrack-Beschallung im Bruce Willis-Comeback „Stirb Langsam 4.0“ oder dem Zombiereißer „Resident Evil: Extinction“ weniger umsatzfördernd vermarkten als im Heimatland, wo das selbstbetitelte „Debüt” der Texaner mittlerweile bei Doppel-Platin hält.

Die Nachfrage nach der wuchtigen Post Grunge / Alternative Metal / Emo Pop/Rock-Mixtur des Fünfers dürfte sich mit dem dritten Werk „New Horizons“ wohl auch nicht bessern, denn obwohl sich Flyleaf treu bleiben und ihr grundsätzlich solides Grundrezept nur minimal abändern, haftet der aktuellen Platte der bittere Beigeschmack der Ideenlosigkeit an. So gibt es in den knapp bemessenen 36 Minuten nur zwei richtige Highlights, der Rest entpuppt sich als Enttäuschung oder unfertige Blaupause. Der aufbegehrende und programmatisch mit „Fire fire“ betitelte Opener stampft nämlich selbstbewusst aus den Boxen und auch „Bury your heart“ vermag mit seiner hochmelodischen Hookline zu punkten und setzt sich ungefragt in das Langzeitgedächtnis. Doch was der Fünfer mit der langweiligen Schunkelnummer „Great love“, dem immergleichen Riff in „Freedom“ und den extrem aufgekratzten und laut um sich schlagenden Kratzbürsten „Green heart“ und „Call you out“ bezwecken wollte, bleibt ein Rätsel.

Dazwischen erklingen harmonieselige, aber zahnlose Alternative Rocker, die den Anschluss an Paramore suchen („New horizons“, „Cage on the ground“), die etwas rebellische, aber süße, kleine Schwester von Jimmy Eat World darstellen („Saving grace“) oder als verträumte Halbballade von links nach rechts wackeln („Stand“). Zum Abschluss schaut mit „Broken wings“ dann sogar noch das US-Kommerzradio vorbei und sorgt für einen wenig würdevollen Pathoseingriff. Für den Hörer sollte diese konsequente Anbiederung an den Mainstream jedenfalls eine Warnung sein, nicht nur weil „New Horizons“ zusätzlich die letzte Platte für Aushängeschild Lacey Sturm darstellt, die kurz vor der Veröffentlichung die Band verlassen hat. Flyleaf befinden sich in der Krise und versinken dadurch im künstlerischen Nirvana. Die Diagnose für eine Rehabilitation mit Kristen May am Mikrophon sieht jedenfalls schlecht aus.

Anspieltipps:

  • Fire Fire
  • Bury Your Heart

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