Voivod - Target Earth - Cover
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Voivod Target Earth


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 57 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Voivod enttäuschen auch nicht mit ihrem mittlerweile 13. Studioalbum und servieren ein 5-Gänge-Menü für Progressive Metal Conaisseure.

Es gab Zeiten, da benötigte es keinen Blick auf die düsteren Cover-Artworks des franko-kanadischen Space Metal-Vierers, um zu erkennen, dass die Band in einem tiefschwarzen Loch steckte. Schließlich waren vollzogene Line up-Wechsel meist nicht von künstlerischen Differenzen, sondern von menschlichen Tragödien geprägt. Eric Forrests schwerer Autounfall 2002, der ihn mehrere Monate ins Koma fallen ließ oder Gründungsmitglied Denis „Piggy“ D´Amours tödlich endendes Darmkrebsleiden drei Jahre später, sind nur zwei von vielen bitteren Facetten in der 30jährigen Geschichte der Cyberpunks aus Kanada.

Nach einem kurzzeitigen Presserummel, der durch den Einstieg des Ex-Metallica-Bassisten Jason Newsted ausgelöst wurde, der sich nach drei Alben (zuletzt veredelte er den Output „Infini“ (06/2009) mit seinen Bassfertigkeiten) jedoch wieder anderen Dingen wie der Supergruppe WhoCares oder Soloavancen widmete, sind Voivod wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet und lassen als unerschütterliche Viererkette (Denis „Snake“ Belanger (Gesang), Daniel „Chewy“ Mongrain (Gitarre), Jean-Yves „Blacky“ Theriault (Bass) und Michael „Away“ Langevin am Schlagzeug) ausschließlich die Musik sprechen und hoffen auf einen weniger turbulenten Bandherbst.

Auf der instrumentalen Seite gibt es auf dem 13. Werk der Kanadier jedenfalls keine Abstriche und die Mischung aus hypnotischen Riffs, die sich ohne Unterlass in die äußere Gehrinrinde bohren („Empathy for the enemy“), den stampfenden Rhythmus wie eine rollige Katze umgarnen („Artefact“) oder inmitten des manchmal wirren Treibens für Struktur, Ordnung und Abwechslung sorgen, in dem sie ein Break einläuten oder das Tempo drosseln bzw. erhöhen („Mechanical mind“), gemeinsam mit der Präzision von Langzeitdrummer Langevin, dem kratzigen, jedoch stets variabel eingesetzten Organ von Belanger und dem grummeligen Bassspiel von Blacky, funktioniert selbst nach 30 Jahren hervorragend und wirkt durch die starke Einbindung progressiver Stilmittel frisch und ungezwungen.

Der Blick über den ansonsten auf thrashige Glückseligkeit beschränkten Tellerrand wird dieses Mal sogar durch Abstecher in ungestüm-berauschende Rock-Gefilde mit Sludge-Konnotation („Resistance“), komplex verschachtelte Prog-Brocken („Warchaic“), fetzige Groovekeulen („Corps étranger“) oder wahnwitzige Offbeatkompositionen („Kaleidos“) erweitert, wobei letztere ebenfalls auf den größten Kritikpunkt hinweist und zwar auf die kaum vorhandene Massentauglichkeit. „Target Earth“ ist nämlich schlicht und ergreifend ein widerspenstiger, garstiger Monolith, der bedrohlich auf den Hörer herab blickt, wodurch nur die wenigsten Gelegenheits-Metalheads damit ihre Freude haben werden. Voivod bleiben eben einfach ein Produkt von Querdenkern für Querköpfe und schlagen mit dieser erfrischenden Andersartigkeit der Ideen- und Innovationsarmut anderer Kapellen ein willkommenes Schnippchen.

Anspieltipps:

  • Artefact
  • Corps Etranger
  • Empathy For The Enemy

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