Otep - Hydra - Cover
Große Ansicht

Otep Hydra


  • Label: Victory Records
  • Laufzeit: 74 Minuten
Artikel teilen:
2/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Man kann auch still und heimlich abdanken anstatt das langweiligste Album der Bandgeschichte abzulegen!

Die Meisterin kunstvollen Nu Metals ist zurück und sorgt allein mit der Schilderung der faszinierenden Backgroundgeschichte zu ihrem sechsten Longplayer für gespitzte Ohren: „„Hydra“ is a concept album based on a graphic novel I´ve been writing for two years about a girl corrupted by the world, corrugated by evil, ripped away from the golden, molten elixir of creativity, and abandoned on the placid, jagged rocks of a cruel and barbaric island where the rats poison themselves. This is a story of her personal alchemy of theophagy, revenge and righteousness. Her rise from the smoldering ash as a bruise that never heals transmuting, theriantrophic, to the infinite, still-born messiah, a vigilante serial assassin, codename: HYDRA. This will be my last album.” Tja, das zeichnet Frau Shamaya eben aus: Schamlose Ehrlichkeit, selbst wenn man diese am wenigsten erwartet. Der Rücktritt aus dem Musikgeschäft nach über einer halben Million verkaufter Platten fällt nicht mit dem roten Teppich, sondern trifft wie ein präziser rechter Haken mitten ins Gesicht.

Ähnlich schmerzhaft geht es auch auf der musikalischen Seite des Abschiedswerkes „Hydra“ zu, wenn man diese denn überhaupt so nennen kann. Otep und ihre Band haben zum Abschluss nämlich gar nicht erst versucht, ein paar Songs zu schreiben. Das einstündige Spektakel gleicht mehr einem ausgewachsenem Hörspiel, dem es allerdings an allen Ecken und Enden an Spannung und dem ansonsten so brillant inszenierten Gänsehautfaktor der Otep´schen Kompositionen mangelt. Einzig und allein „Voyeur“ spinnt einen verstörenden Spoken Word-Albtraum über einen Tiere quälenden Mann, der durch die Protagonistin recht schnell am eigenen Leib zu spüren bekommt, was seine Opfer durchmachen mussten. Der eindringliche Vortrag lässt nicht nur das Blut in den Adern gefrieren, sondern auch den gesamten Körper in Schockstarre fallen. Ach, wie schön wäre ein komplettes Album auf diesem Niveau gewesen?

Die übrigen Stücke stecken hingegen in einer Dauerschleife aus furchteinflößendem Geflüster, Glucksen und Geschrei, mit dem die Bandchefin zwar ihren Ausnahmestatus zementiert hat, doch ein paar richtige Songs hätten es dann schon auch gerne sein dürfen. Die rohe Aggression und spürbare Wut der vorangegangenen Alben wird jedenfalls schmerzlich vermisst, der gebetsmühlenartige Sprechgesang, der bereits beim Vorgänger „Atavist“ (04/2011) das Durchhaltevermögen des durchschnittlichen Musikhörers strapazierte, wird hier nun prätentiös aufgeladen und in ein mit der Brechstange hantierendes Konstrukt gepresst, das nicht davor zurückschreckt, über zehn Minuten keinerlei interessante Momente anzubieten oder wenn diese vorhanden sind, sie stiefmütterlich ihrer natürlichen Entfaltung zu berauben. Paradigmatisch steht hierfür das Stück „Apex predator“, welches mit einem interessanten Groove aufwarten kann, in seinen 5 ½ Minuten allerdings keinerlei Anstalten macht, aus seinem vielversprechenden Kern auszubrechen um eine vollwertige Komposition zu werden.

Dazwischen räkeln sich herkömmliche Nu Metal-Reißer, die an Ziellosigkeit und Ideenarmut nicht zu unterbieten sind („Blowtorch“, „Seduce“, „Feral game“), während in den letzten Atemzügen von „Hydra“ das Tempo gesteigert wird, um zumindest den Schlagzeuger ein bisschen zu fordern („Hag“), bis mit angeschriebenen 23 Minuten „Theophagy“ das Szepter übernimmt, sich jedoch als nicht mehr als ein weiteres Hörspiel mit Spoken Word-Wurzeln entpuppt, das nach 6½ Minuten ein Ende findet um nach über einer Viertelstunde absoluter Stille einen lautstarken Rülpser von Ms. Shamaya zu bieten, der wohl das finale Lebenszeichen der Band darstellen soll. Man kann das Ende seiner Musikkarriere definitiv ruhmreicher begehen. In dieser Form bekommt ein wehmütiges „R.I.P. Otep!“ jedenfalls einen extrem bitteren Nachgeschmack.

Anspieltipps:

  • Voyeur

Neue Kritiken im Genre „Progressive Metal“
Diskutiere über „Otep“
comments powered by Disqus