Bon Jovi - What About Now - Cover
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Bon Jovi What About Now


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 69 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Der negative Höhepunkt in 30 Karrierejahren ist erreicht!

Ehrlich gesagt waren die Veröffentlichungen von Bon-Jovi-Studioalben auch schon mal größere Ereignisse als heuer, wenn acht Wochen nach der Premiere der schwächlichen, pseudo-politischen Lead Single „Because we can“ der mittlerweile zwölfte Longplayer der New-Jersey-Rocker in die Läden gestellt wird. Okay, den Begriff New-Jersey-Rocker streichen wir gleich wieder. Denn das, was die Angestellten von Jon Bon Jovi in den letzten zehn Jahren auf die Bretter bringen, hat mit Rockmusik nur noch wenig zu tun. Doch auch diese Diskussion ist bereits mehrfach geführt worden und deshalb absolut müßig.

Nichtsdestotrotz befinden wir uns bei unserer Beziehung zur Band Bon Jovi inzwischen in einer mittelschweren Ehekrise. Denn anstatt einfach ein weiteres Soloalbum im Stil von „Destination Anywhere“ (1997) zu produzieren, lässt Jon Bon Jovi Richie Sambora, David Bryan und Tico Torres immer und immer wieder antreten, um unter dem Kult-Banner der ehemaligen Hardrockband weichgespülte Popmusik einzuspielen, die auf dem neuen Opus „What About Now“ den negativen Höhepunkt in 30 Karrierejahren darstellt.

Refrains, Melodien, Hooks, gute Laune und großartige Konzerte - dafür steht die Band Bon Jovi in den Geschichtsbüchern. Doch vieles davon ist nur noch Legende. Denn wo Bon Jovi draufsteht, ist nur noch bedingt Bon Jovi drin. So ist Billy Falcon, der als Auftragssongwriter bei Universal Music unter Vertrag steht und bereits ein Dutzend Bon-Jovi-Songs in den vergangenen Jahren mitgeschrieben hatte, auf „What About Now“ gleich sieben Mal als Co-Songwriter vertreten. Und der erneut verpflichtete Produzent John Shanks (u.a. Backstreet Boys, Miley Cyrus, Ashlee Simpson, Take That, Anastacia) trägt sich neben seiner Studioarbeit ebenfalls satte fünf Mal in die Credits ein. Damit findet das bis in die 90er Jahre kongeniale Songwriter-Duo Richie Sambora und Jon Bon Jovi quasi nur noch auf dem Papier statt. Zwar gesellt sich mit Desmond Child auch noch eine alte Songwriter-Geheimwaffe aus den 80er Jahren hinzu, der mit seinem Beitrag zum Track „Army of one” aber auch nichts reißen kann.

Doch beginnen wir mit dem Opener „Because we can“, der sich inhaltlich an den 2009er Song „We weren’t born to follow“ anhängt, aber ähnlich blass bleibt, weil politische Texte und Bon Jovi einfach nicht zusammenpassen wollen. Zumindest jedenfalls nicht, wenn sie so naiv und reißbrettförmig angelegt sind. Das folgende „I’m with you“ und der Titeltrack machen klar, dass John Shanks einen sehr druckvollen Breitwandsound gesucht und gefunden hat, der vor allem bei großer Lautstärke gut funktioniert, aber ironischerweise Richie Samboras Gitarre fast vollständig verschluckt.

„Pictures of you“ bemüht sich etwas stärker um den bekannten Bon-Jovi-Trademark-Sound (endlich mal ein Gitarrensolo!), signalisiert aber auch eine der Schwächen, die sich durch das gesamte Album zieht: Rhythmisch fällt der Band nicht viel mehr als eine festzeltfreundliche Schlagertaktung ein, für die der Hörer viel guten Willen mitbringen muss („That’s what the water made me“, „ Beautiful world”, „Room at the end of the world“, „With these two hands“). Dazu kommt, dass Balladen wie das von Streichern dominierte „Amen“, „Thick as thieves“ oder auch „The fighter“ diesmal nicht wie gewohnt zünden und im Gedächtnis haften bleiben.

Bleibt noch festzustellen, dass für die vier Bonus Tracks der Deluxe Ausgabe (die noch nicht einmal ein Textheft besitzt) neben vermeintlichen Überbleibseln vom sechs Jahre alten „Lost Highway“-County-Pop-Album („Not running anymore“, „Old habits die hard“) auch ein Track namens „Every road leads home to you” verbraten wurde, der sich schon auf dem aktuellen Richie-Sambora-Album „Aftermath Of The Lowdown” (09/2012) befindet.

Ist das eine nette Geste gegenüber einem Angestellten oder einfach nur die Krönung eines Albums, das selbst für auf Mainstream geeichte Musiker wie Bon Jovi erschreckend beliebig und belanglos daherkommt und als künstlerische Bankrotterklärung verbucht werden muss?

Anspieltipps:

  • Amen
  • I’m with you
  • Because we can
  • Beautiful world
  • What’s left of me
  • Every road leads home to you

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