Milo Greene - Milo Greene - Cover
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Milo Greene Milo Greene


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 37 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer ist Milo Greene? Die Spuren führen zu guter Musik, eifrigem Teamwork und einem Hauch von Humor.

Es gibt viele Beispiele für Bands, die sich in ihrer Namensgebung auf ihren Frontman beziehen oder einfach dessen Namen nutzen. Im Falle der Newcomer aus Los Angeles stehen die Dinge anders. Die Namen von Robbie Arnett, Graham Fink, Andrew Heringer und Marlana Sheetz, sowie ihrem Drummer Curtis Marrero, lassen keine Rückschlüsse auf die Band zu, die die fünf jungen Musiker gegründet haben. Stellt sich also die Frage: Wer ist eigentlich dieser Milo Greene? Mit Beantwortung dieses Rätsels deckt man sogleich die erste bewundernswerte Besonderheit der amerikanischen Cinematic-Pop-Band auf: sie hat keinen Frontman. Um dieses Plädoyer für Teamwork möglichst zu bestärken, erschuf sich die Band einen Virtuellen, der sie nach außen hin als Einheit präsentieren kann. Robbie Arnett erklärt den Gedanken dahinter genauer. Alle seien Texter und Melodien-Entwickler, es gäbe demnach keinen Fixpunkt, kein dominantes Bandmitglied. Um es auf den Punkt zu bringen, führt er aus: „Alles ist Milo“.

Und dieser Milo macht ausgesprochen lobenswerte Musik. Das Debüt: ein Album, das einen vom ersten Beat an in Beschlag nimmt. Melancholischer Pop, der abseits jeglicher Klischees und Kitsch den Künstlern freien Raum gibt, ihre Talente zu entfalten. Dabei wechseln sich die vier Sänger, die zuvor alle als Leader in Bands tätig waren, stimmlich und anteilsmäßig ab, arbeiten zusammen, bewegen den Strom. Die 13 Songs fließen dabei regelrecht ineinander, reißen trotz ihrer unaufdringlichen Art mit. Barnett spricht von einem kohärenten Album, das den Hörer von A nach B führt. Dabei sind sich die fünf Künstler durchaus bewusst, dass dieser Weg sie nicht unbedingt zu Single-Erfolgen bringen wird. Im Fokus standen jedoch die Verarbeitung nostalgischer Phasen, der Platz für Hoffnung und der Ausdruck des Gefühls, geboren und in Sicherheit sein zu wollen. Passend zu diesen zeitlosen Empfindungen hatte die Band während der Aufnahmen weder Fernseher noch Internet, zog sich stattdessen an Orte zurück, an denen man noch Feuer macht.

Beim Gefühl für Details bewiesen die vier Schreiber fast poetische Stärke, sind dabei aber durchaus gewitzt. Gleich der erste Track („What’s the matter“) beweist, dass kein Blatt vor den Mund genommen wurde (Oh your love / is never good enough / Oh your love is lost on me / You don’t know). Auch „Silent Way”, „Don’t you give up on me” oder „1957” beweisen einen Sinn für ausdrucksstarke Texte, die sich mal mehr mit Pop, mal mehr mit Folk mischen, eben so, wie es die Stimmung gerade will. Letztendlich kommt auch der Humor nie zu kurz. So vermutet die Band, dass Milo Greene Brite ist und zudem ein großer Fan von ihnen. Vollkommen zu Recht, denn hier passt wirklich alles zusammen. Milo Greene macht richtig Spaß.

Anspieltipps:

  • What’s the matter
  • Don’t you give up on me
  • 1957
  • Autumn tree

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