Gallops - Yours Sincerely, Dr. Hardcore - Cover
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Gallops Yours Sincerely, Dr. Hardcore


  • Label: Blood & Biscuits/ALIVE
  • Laufzeit: 55 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Wie wäre es mal mit esoterisch klingendem Ambient-Rock mit viel Elektronik?

Waliser müssen alles anders machen. Nicht nur haben sie Orte, die so haarsträubende Namen wie Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch ihr Eigen nennen. Nein, sie haben auch ziemlich durchgeknallte Schriftsteller wie Jasper Fforde und seit neuestem auch wieder eine unorthodoxe Band mehr in ihren walisischen Reihen. Gallops versuchen mit ihrem instrumentalen Experiment aus Ambient, Rock, Progressive, Electro und Esoterik alles und irgendwie auch gar nichts aus den Boxen zu locken. Der Februar gibt Einblick auf einen der - das darf man jetzt wohl schon sagen - meist bekloppten Soundausflüge des noch so jungen Kalenderjahres 2013.

Dabei fängt alles recht harmlos an. „Astaroth“ ist ein typischer Albumauftakt. Minimalismus und Steigerung sind die beiden Devisen des recht synthetisch gehaltenen Openers, bevor auch „Jeff Leopard“ gar nicht so wild, dafür aber sehr chaotisch in die Klangwelten Gallops einführt. Schnelle, repetitive Percussions und noch mehr Tonwulst aus den tiefen des PCs paaren sich mit schrammelnden Gitarren, die den rauen Demo-Tapes von The Mars Volta abgekupfert sein könnten. Spätestens in „Hongliday“ nehmen die krachenden Progressive-Parts so deutlich überhand, dass man sie nicht mehr wegreden kann.

Besonders „Hongliday“ ist auch der erste Track des Albums, der trotz enorm vieler Wiederholungen den Hörer fesselt (oder komplett abstößt). Die treibende Melodie mit all ihren Wirrungen reizt und flutet die Gehörgänge ordentlich und oft genug wird man zwischen synthetischen und progressiven Ansätzen hin und her geschubst, bis man nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht. Wenn sich dazu dann noch in manchen Stücken („Lasers“ und „Rhythm Is A Misery“) Philip Glass'sche Minimal-Züge einschleichen, entsteht ein interessanter Mix, der unbestreitbar vollmundige Soundscapes zutage fördert.

Nicht immer wollen sich diese Landschaften allerdings auch wirklich so entfalten, wie man das gerne hätte. Gerade gegen Ende des Albums erwartet man Klangexplosionen zu „Bromden“ und „Skyworth“, die sich aber nur teilweise so vorfinden lassen. Anstatt zeitlos auf Glass zu setzen, lässt sich gerade gegen Ende sehr viel altbackener Electro durchhören, was sich nicht immer zuträglich auf den Hörer überträgt. Es sind diese Kleinigkeiten, die im Endeffekt schnell aus dem Erlebnis führen und den Einstieg schwer machen, sodass man nur schwer wieder in die richtige Stimmung findet. Schlusstrack „Crutches“ ist ein wunderbares Beispiel hierfür, da der Song in seinen knapp 11 Minuten im Grunde sehr viel richtig macht, jedoch genug Leerlauf und die eine oder andere Schwachstelle offenbart, um sich am Ende selbst um das große Lob zu bringen.

Anspieltipps:

  • Hongliday
  • Rhythm Is A Misery
  • Crutches

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