Yen - Into The Sun - Cover
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Yen Into The Sun


  • Label: MX Records/INTERGROOVE
  • Laufzeit: 53 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Rock aus Deutschland klingt wieder deutsch und dafür überraschend gut.

Klären wir zu aller erst die brennenden Fragen. Yen heißen nicht so, weil verkappte Liebe zum Land der aufgehenden Sonne ausgedrückt werden soll. Der Name rührt von Sängerin Yen-Hwei Anetzberger her. Und dass die Musik des Alternative-Rock-Vierers deutsch klingt, obwohl doch englisch gesungen wird, ist schnell erklärt. Man erinnere sich zurück an die Jahrtausendwende, als Guano Apes und Liquido das deutsche Chartgerüst mit beherrschten. Es waren die Jahre, in welchen deutsche Texte keine Konjunktur hatten und wirklich jeder englisch singen wollte und musste. Das Ergebnis klang so, wie das deutsche Fernsehen im Vergleich zu amerikanischen Vorbildern aussieht. Im Prinzip klingt alles richtig, doch im Detail wirkt alles ein wenig grober abgemischt und weniger glänzend verpackt. Yens neues Album klingt dementsprechend von der ersten Sekunde ein wenig schwach auf der Brust, wenn man es mit den AAA-Outputs vergleicht.

Der Inhalt des neuen Albums, welches über drei Jahre auf sich warten ließ, hingegen kann es im Schwergewicht des abwechslungsreichen Rocks aufnehmen. So sehr der etwas plastische Sound vom ersten Track an durchdringt, kann man nicht anders, als sich in der Melodie eines „Since You've Been Gone“ oder des emotionalen „Redemption“ zu verlieren. Hier wird auf verschiedenste Musikstile zurückgegriffen, was den Ausdruck Alternative tatsächlich rechtfertigt. Ska-, Reggae- und Punkeinlagen sind genauso an der Tagesordnung wie Disco-Gitarren („Black Waterfalls“) und hier und da härtere Gangarten (z.B. „Tonight“). Bei all dieser Vielfalt macht die Band jedoch schnell deutlich, dass die breite Masse angesprochen werden soll und man sich in keiner Weise im Elfenbeinturm einschließt. Dafür ist das Pop-Potenzial der meisten Lieder (Vorreiter ist die eindeutige Radio-Single „Sell Your Soul“) zu prägnant hervorstechend.

Auch und besonders an der sphärischen Stimmung der Band und Yens Stimme liegt es, dass die Arrangements durchgehend funktionieren und selbst so geradlinige und einfache Stücke wie „L.O.V.E.“ den Hörer fesseln. Die Songs wirken mysteriös und lassen einen trotz manchmal fehlender Tiefe abtauchen, sodass man sich gerne in der Mischung aus Pop-Hooklines und Rock-Versätzen verliert. Für den recht konventionellen Anspruch der Band fehlen natürlich mehr Singles, die Aufmerksamkeit auf das Album lenken. „Emotional D.“ ist ein gutes Beispiel dafür, dass die knackige Produktion fehlt, um aus einem Geheimtipp eine definitive Stadionhymne zu schaffen. So wartet hier ein viel versprechendes Album, das allerdings erst einen Weg finden muss, die Hörer an sich zu binden. Wer sich jedoch auf „Into The Sun“ einlässt, der wird vielleicht nicht mehr davon loskommen.

Anspieltipps:

  • Sell Your Soul
  • Emotional D.
  • Tonight

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