Toro Y Moi - Anything In Return - Cover
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Toro Y Moi Anything In Return


  • Label: Carpark/INDIGO
  • Laufzeit: 52 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Aller schlechten Dinge sind drei.

Sind die Türen verschlossen, die Fenster zu? Steht das Auto in der Garage? Ist die Katze in Sicherheit? Gut. Alle Vorkehrungen scheinen getroffen zu sein. Jetzt heißt es: abwarten, bis der Sturm vorbeigezogen ist. Diese Rezension könnte mein Leben von heute auf morgen verändern. Vorbei die Unbeschwertheit, die Sicherheit auf den Straßen Berlins. Es wird lange dauern, die Tomaten- und Eierreste von meiner Hausfassade abzukratzen. Chazwick Bundick, besser unter dem Künstlernamen Toro Y Moi bekannt, und seine Anhänger sind es nicht gewohnt, kritisiert zu werden. Für sein drittes Album „Anything In Return“ hagelt es Komplimente, aus allen Richtungen kommen Zuspruch und Begeisterung. Und plötzlich weiß ich, wie es sich anfühlt, ein FDP-Wähler zu sein, wie es ist, ganz allein mit seiner Meinung dazustehen. Kein schönes Gefühl, aber was soll ich machen? So toll ist Bundicks Musik einfach nicht.

Bereits sein Debütalbum „Causers Of This“ hatte nicht viel zu bieten, der zweite Silberling „Underneath The Pine“ war noch enttäuschender. Die Erwartungen an ein drittes, herausragendes Album waren somit ziemlich hoch und die Ernüchterung, sobald der erste Titel „Harm In Change“ ertönte, umso größer. Schon jetzt war klar, dass es Toro Y Moi auch mit dem dritten Streich nicht über mittelprächtigen Chillwave hinaus schaffen würde. Dabei mangelt es Bundick ja nicht an Talent, Musik zu produzieren, die mehr sein könnte, als bloßes Hintergrundgedudel beim Cocktail-Schlürfen, wie „Cola“ beweist. So süß und erfrischend, wie es der Titel verspricht, klingt er auch. Genau in der Mitte des Longplayers platziert, hält er den Hörer davon ab, die Scheibe nach den ersten zwanzig Minuten frustriert in die Ecke zu donnern. Sei es nun Taktik oder Zufall, aber durch dieses kleine Schmankerl wird die Hoffnung geweckt, dass sich auf „Anything In Return“ doch noch die eine oder andere musikalische Perle verstecken könnte.

Pustekuchen. „Cola“ ist und bleibt das einzige Highlight des Albums, dessen kann man sich nach einer mühsamen, zweiundfünfzigminütigen Reise gewiss sein. „Cake“ und „Touch“ bleiben nur zwei weitere Lichtblicke zwischen den grauen(-vollen) Wolken namens „Studies“, „Rose Quartz“ und „Never Matter“. Am liebsten würde man diesen jungen Mann schütteln, ihm ordentlich eine kleben und schreien: „Dann schreib doch wenigsten gute Texte, Alter!“ Denn nicht einmal das scheint Bundick zu gelingen. So viel verschwendetes Potential gab’s seit Sia. nicht mehr. Und wir wissen ja alle, wie die heute ihr Geld verdient (David Guetta, hust, würg). Also, sollte man Toro Y Moi nun einfach wünschen, in der Versenkung zu verschwinden? Er könnte ja Mützen oder coole Nerd-Brillen designen. Oder Plattencover für andere Künstler gestalten. Oder zur Besinnung kommen und ein grandioses Album mit dem Titel „I Was Just Kidding“ veröffentlichen. „Anything In Return“ eignet sich jedenfalls nur für die Chici Mici-Bar in Berlin-Mitte und wird ihm irgendwann genauso peinlich sein wie den Black Eyed Peas ihre gesamte Diskografie. Schade, schade, Schokolade.

Anspieltipps:

  • Cola
  • Cake
  • Touch

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