Tosca - Odeon - Cover
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Tosca Odeon


  • Label: !K7/ALIVE
  • Laufzeit: 51 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Abseits bekannter Pfade entdecken Tosca den Mut zur Innovation und halten dabei dennoch an bewährten Traditionen fest.

Mit der Ausnahme des recht eigenwilligen Techno/House/Funk-Projekts Voom Voom sind sich die Wiener Melange-Pioniere Kruder & Dorfmeister in ihren zahlreichen Nebenprojekten stets treu geblieben und haben feinste elektronische Musik gezimmert, die nicht nur nachts in Bars für lauschige Stimmung sorgt, sondern ebenso zum Tanzen anregt oder als Fernsehwerbejingle für subtile Ohrwürmer sorgt. Tosca war in dieser Hinsicht stets der verlängerte Arm der Kruder & Dorfmeister-Sensation, mit dem letztgenannter Herr gemeinsam mit Rupert Huber mehrere beachtliche Longplayer und Remix-Alben vorlegen konnte.

Vier („No Hassle“ vom April 2009) bzw. drei Jahre („Pony No Hassle Versions“ vom April 2010) war es still um das vielbeschäftigte Duo, doch mit „Odeon“ kehren die Spezialisten in Sachen feinster elektronischer Musik zurück und fesseln den Hörer von der ersten Sekunde an. „Zur guten Ambience“ klingt nicht nur dem Namen nach wie ein stimmungsvolles Stammlokal, auch klanglich vollführt der Track den Spagat zwischen warmherzigem Willkommensgruß und entspannter Atmosphäre exzellent, was einen mit seligem Vogelgezwitscher und sanften Ambientschleifen sofort aus dem hektischen Berufsalltag reißt. Zurückgelehnt geht es dann in „What if“ mit weiblichen Vocals von Sarah Carlier weiter, während mit „Heatwave“ ein unerwarteter Abstieg in dunklere Gefilde folgt, was jedoch als überraschende wie gelungene Facette für die hypnotischen Beats des Duos gewertet werden kann.

Danach hält der Wahnsinn Einzug, die Schlinge zieht sich zu. JJ Jones, ein Performancekünstler, Aktivist und Sänger aus Nashville jault, brummt und begräbt seine Stimme unter einem düster-perkussiven Gothicsound, der in seiner Eindringlichkeit an die frühen Depeche Mode erinnert. Mittlerweile ist es allerdings um den Hörer geschehen, in der Soundcollage „Soda“ hört er Stimmen, wähnt sich im Delirium. Im Tagtraumland angekommen („Meixner“) geleiten schräge Bläser aufs Tanzparkett, die Hüften wippen im Takt. Die verführerisch-raspelnde Stimme wechselt ins Portugiesische („Stuttgart“) und während „The boy from Ipanema“ für diesen erfrischenden Plausch vorbeischaut und für einen wohligen Ausklang im dunstigen Regenwald sorgt, verfolgt „In my brain Prinz Eugen“ einen äußerst flachen, dadaistischen Ansatz, der sämtlicher Träumerei das Licht ausbläst.

Doch nicht nur diese Komposition verläuft im Nichts, auch „Cavallo“ gibt sich zu „wienerisch“ und erntet als morphiumgetränkte Alltagsgeschichte lediglich ein beherztes Schulterzucken, bis „Bonjour“ Lebewohl sagt und wie eine Schallplattennadel in einer Endlosrille hängen bleibt, bis nur mehr ein angenehmes Knistern den Raum erfüllt. Tosca betreten mit „Odeon“ Neuland und dieser neuen Reise merkt man leider noch zu stark ihre zappelige Unerfahrenheit an. Dorfmeister und Huber wollten gleich aus dem Vollen schöpfen und den frischen Ideen völlig das Siegel des Unentdeckten aufzwingen. Zu einem gewissen Prozentsatz hat diese Konsequenz auch Früchte getragen und „Heatwave“ wie auch „Stuttgart“ zählen zu den stärkeren Tracks des Duos, doch gerade das Schlussdrittel hätte etwas weniger Ambient und mehr althergebrachte Tosca-Eleganz benötigt, um aus „Odeon“ erneut ein grandioses Meisterwerk elektronischer Musik zu machen.

Anspieltipps:

  • Jay Jay
  • Stuttgart
  • Heatwave

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