Wayne Shorter - Without A Net - Cover
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Wayne Shorter Without A Net


  • Label: Blue Note/EMI
  • Laufzeit: 78 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Live-Jazz. Nicht mehr und nicht weniger.

Wayne Shorter weiß, wie man Jazz macht. Er hat schon mit Miles Davis zusammen gespielt und seitdem in knapp 80 Erdenjahren so ziemlich alles gemacht, was das Genre hergibt. Auch im hohen Alter spielt er der Welt das Ergebnis dieser gesammelten Erfahrungen immer noch heißblütig vor. Man darf respektieren, mit welcher Sicherheit Shorter noch immer auftritt, doch gleichzeitig muss man sagen, dass das Projekt „Without A Net“ auch ein wenig faul anmutet. Es handelt sich schlichtweg um eine Live-Aufnahme, wo eben alles sitzen sollte. Doch gerade der Jazz lebt von Improvisation und Intuition. Diese Spontanität soll „Without A Net“ einfangen.

Die knapp 80 Minuten der Live-Aufnahme machen auch deutlich, dass es sich hier um einen Abend unter Jazz-Freunden handelt. Hier und da ein Applaus oder ein frenetischer Zwischenruf während eines Solos stehen auf dem Programm. Wer zu Hause sitzt und den Jazz im Hintergrund laufen hat, fühlt sich von dieser Live-Erfahrung allerdings gerade deswegen ausgeschlossen. Man braucht Menschen um sich herum, die mit einem diese Musik auf sich wirken lassen. Ansonsten ist die Vorstellung einer Hörsession des über 20minütigen „Pegasus“ eine anstrengende Vorstellung.

Vorstellen kann man sich hingegen, wie erfüllt dieser Live-Auftritt selbst gewesen sein muss. Guter Jazz mit genug, aber nicht ausartenden Fusion-Experimenten. Es ist Jazz für jeden, der auch nur ansatzweise Jazz mag. Das Problem daran ist nur, dass auf CD die zu langen Stücke irgendwann im Raum verschwinden, anstatt im Kopf anzukommen. Vorreiter „Pegasus“ und auch das folgende „Flying Down“ müssen konzentriert gehört werden, um nicht phasenweise abzutauchen, da ohne die Performance der Künstler die Nähe zur Musik fehlt.

So wird ein rundum gutes Jazz-Erlebnis zur manchmal unangenehmen Konzentrationsaufgabe, die ihren Platz auf CD nicht immer rechtfertigen kann. Das mag wie Jammerei auf hohem Niveau klingen, doch zu groß dürfte die Zahl der Hörer sein, welche nicht selten den Anschluss zu dieser Musik suchen und nicht finden werden.

Anspieltipps:

  • Starry Night
  • Zero Gravity
  • Pegasus

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