Stereophonics - Graffiti On The Train - Cover
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Stereophonics Graffiti On The Train


  • Label: Stylus Records
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit den Stereophonics geht es wieder bergauf. Es fehlt nur noch etwas der Mut zur Lücke.

Mit ihrem achten Studioalbum, „Graffiti On The Train“, gehen die Stereophonics neue Wege. Die Band um Mastermind Kelly Jones (38) hat sich vom Majorlabel Universal Music getrennt und mit Stylus Records ihr eigenes kleines Label aufgemacht. Mit dieser neuen Unabhängigkeit im Rücken, verzichteten die Waliser nach dem „Keep Calm And Carry On“-Album (02/2010) auf eine ausgedehnte Tournee und widmeten sich anderen Dingen wie Drehbücher schreiben oder einfach nur ihren Familien.

So zog eine gewisse Leichtigkeit in das Leben und die Arbeit des Quartetts ein, die sogar so weit geht, dass Kelly Jones behauptet, es sei ihm egal, ob „Graffiti On The Train“, das als zweiteiliges Konzeptalbum geplant ist, an die Wand fährt und floppt. Mit fünf Nummer-Eins-Alben in Großbritannien und mehreren Millionen verkaufter Tonträgern haben die Stereophonics im Prinzip ja auch alles geschafft, was man in einer Musikerkarriere erreichen kann. Also warum nicht mal was Neues ausprobieren, wie mit Dutzenden unfertigen Ideen ins Studio zu gehen und erst dort die finalen Songs zu entwickeln?

Okay, wenn das für die Stereophonics bereits die Krönung des Rebellentums ist, dann kann auch mit „Graffiti On The Train“ der schleichende Niedergang in die künstlerische Bedeutungslosigkeit, der mit „Pull The Pin“ (10/2007) begonnen hat, nicht aufgehalten werden. Aber ganz so einfach mag die Band dann doch nicht anderen das Feld überlassen. Denn dafür, dass Jones einen Flop des Albums in Kauf nimmt, ist der Sound viel zu fett und mit anbiedernden Streichern ausgefüttert. Die Stereophonics wollen nun mal gefallen – und machen damit vermutlich ihren größten Fehler.

Dass die Waliser früher einmal richtig laut rocken konnten, bestätigen sie heute nur noch selten, wie in dem hübsch verzerrten und mit ein paar „Fucks“ angereicherten „Catacomb“ oder streckenweise in dem mit Bläserriffs und wuchtigen Orchesterparts garnierten „Roll the dice“. In der übrigen Zeit geht es dagegen sehr bedächtig („Violins and tambourines“) und gewohnt poppig („We share the same sun“) zu Werke. Dabei haben Kelly Jones und Co. durchaus mehr auf dem Kasten, wie der coole Blues „Been caught cheating“ und das düstere „In a moment“ beweisen.

„Graffiti On The Train“ hätte ein künstlerischer Befreiungsschlag werden können. Doch dazu hat entweder der Mut oder der Wille nicht gereicht. Grundsätzlich scheinen sich die Waliser aber wieder gefangen zu haben, wie drei, vier starke und ansonsten sehr solide Songs auf dieser Platte belegen.

Anspieltipps:

  • Catacomb
  • Indian summer
  • Graffiti on the train
  • Been caught cheating

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