Bergen - Bärenmann - Cover
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Bergen Bärenmann


  • Label: K&F Records/Broken Silence
  • Laufzeit: 41 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Potenzial der Dresdner Neulinge steht in Text und Instrumentalisierung und fällt mit dem eindimensionalen Gesang.

Geschichtenerzähler sind etwas Großartiges. Auch wenn Stefan Raab viel dafür getan hat, dass die 18- bis 30-Jährigen Reinhard Mey als Witzfigur sehen, hat Mey mit seinen Geschichten für viel Freude und nicht minder viele Gedanken gesorgt. Über Militär, Familie, Freundschaft, erste Liebe, große Liebe und was das Leben noch so herzugeben hat, hat Mey schon gesungen. In eine ähnliche Rubrik möchte man die Dresdner Neulinge Bergen stecken, wenn man über ihre Stärken sprechen will. Dank siebenköpfiger Besetzung springt dabei gleich noch ein viel größeres, aber immer noch intimes Klangbild heraus, welches die Texte unterstützen soll. Herzerweichende, emotionale Pianoklänge und verwegene Bläser mischen sich mit Hintergrundgesang, treibendem Schlagzeug und weichen Akustikgitarrenspuren.

An musikalischer Vielfalt soll es nicht mangeln, wenn Bergen ihre nicht weniger weitreichenden Geschichten erzählen. Von traurigen, aber starken Gestalten, die näher unter die Lupe genommen werden („Bärenmann I & II“), und von in weniger als vier Minuten gepackten ganzen Lebensgeschichten („Haut Aus Orange“) wird interessant und intelligent erzählt. Das klingt zu schön um wahr zu sein. Und daran erinnert uns der (ausbleibende) Gesang. Es ist fast schon mehr das Sprechen, also Erzählen einer weichen Männerstimme, die - komme was da wolle - weich bleibt. Hier und da wird sogar noch sachter gesprochen, doch mehr als zwei, drei Emotionen bringt diese Stimme nicht hervor. Der ganze große Aufbau geht an der Eindimensionalität des Gesangs verloren, zerbricht zwar nicht, berührt aber nur die Oberfläche, wo so viel mehr möglich gewesen wäre.

Man möchte fast schon davon sprechen, dass Bergen auf „Bärenmann“ acht Gedichte mit wunderbar ausgestalteter Musik präsentieren. Natürlich wird man die beruhigende und weiche Stimme des Sängers mit der Band identifizieren, aber ein „Bärenmann“ hätte so viel mehr Klage und Mitleid vertragen können und die „Schwierigen Zeiten“ klingen im besten Fall ein wenig melancholisch. Der Gesang müsste sich viel mehr auf Text und Musik einlassen, um hier etwas Bleibendes zu schaffen. „Bärenmann“ bleibt gerade deswegen nur schwer im Kopf und steht jetzt in der Pflicht, das Triumvirat aus Instrumenten, Texten und Gesang passend zusammenzuführen.

Anspieltipps:

  • Bärenmann I
  • Iona
  • Haut Aus Orange

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