Night Beds - Country Sleep - Cover
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Night Beds Country Sleep


  • Label: Dead Oceans/CARGO
  • Laufzeit: 33 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Überraschend ruhiger Country-Swing, der mit stimmlicher Reinheit melancholische Stimmung erzeugt.

Es ist eigentlich kaum möglich, die Kritik zu „Country Sleep“ anders zu beginnen, als mit der größten Überraschung, die das Album hergibt. Legt man die CD zum ersten Mal ein und hat dabei womöglich die Lautsprecher aufgedreht, wird man von der klaren, melancholischen Stimme Winston Yellens regelrecht umgehauen. Und damit ist nicht zu viel vorweggenommen. Die Verblüffung über das Unkonventionelle wird auch dann eintreten, wenn man eigentlich darauf vorbereitet war. Zu selten beginnen CDs mit einem Titel, der lediglich von der stimmlichen Leistung des Musikers getragen wird.

Der 23-jährige Winston setzt damit gleich zu Beginn ein Zeichen. Der erste Song, der gerade ein bisschen über eine Minute füllt, kommt trotz seines positiven Textes mit solch bestimmendem Schwermut daher, dass man sofort weiß, wie der Künstler sich bei den Aufnahmen gefühlt haben muss. Oder wie er wollte, dass sich der Hörer fühlen soll. Hat man die erste Hürde überwunden, geht es emotional jedoch erst einmal aufwärts. „Ramona“ ist ein gelungenes, typisch schwungvolles Country-Stück, das sofort Lust auf mehr macht.

Doch statt rebellischer Stärke, die das Albumcover vermuten lässt, bleibt der junge Amerikaner in den meisten Songs bei ruhigen Melodien, die es nicht schaffen wollen, die Melancholie abzuschütteln. Das Bild auf dem Cover, das Winston Yellens James-Dean-like mit Blick in die Ferne und Zigarette im Mund zeigt, steht also weniger für den Rebellen, als für den Künstlertypen. Seine Songs schrieb er nach eigenen Angaben in „destructive circumstances“ und während vieler Versuche, sich selbst zu betäuben. Kann man sich jedoch an die bedrückende Stimmung gewöhnen, erkennt man nicht nur die depressiven Gedanken, die dahinter stecken, sondern auch die unangefochtene Schönheit der Melancholie. „Even if we try“ startet ähnlich wie „Faithful Hights“, mit stimmlicher Höchstleistung, „22“ stellt die Gitarrenkünste in den Vordergrund. „Lost springs“ hingegen verbindet beides. Tatsächlich ist bei genauem Hinhören jedem Song etwas abzugewinnen.

Night Beds ist das Pseudonym, das Winston sich ausgesucht hat. Das Album nennt er passend dazu „Country sleep“. Man hätte diese vier einzelnen Wörter auch anders zusammenpuzzeln können, ohne den Charakter zu verfälschen. Denn sie stehen alle für das, was die Musik repräsentiert. Das Album lädt ein zum Nachdenken, zum Ausruhen, zum Sinnieren. Dabei schafft Winston Yellen etwas, das den meisten Künstlern in der heutigen Zeit verwehrt bleibt: Besinnliche Musik zu schreiben, ohne dabei kitschig zu werden.

Anspieltipps:

  • Ramona
  • Even if we try
  • Borrowed time
  • Lost springs

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