David Bowie - The Next Day - Cover
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David Bowie The Next Day


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 60 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
8.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Im Herbst seiner Karriere hält Bowie Rückschau auf diese und landet dabei im Berlin der 70er Jahre.

Manchmal kann Cover-Kunst erschreckend billig wirken, selbst wenn hinter der Aussage des Bildnisses ein tieferer Sinn steckt, so wie bei „The Next Day“, David Bowies ca. 30. Studioalbum, das mit dem recycelten Cover des in den ehrwürdigen Hansa Studios in Berlin aufgenommenen „Heroes”-Album aus dem Jahr 1977 aufwartet.

Das Verbindungsstück in das Hier und Jetzt wird durch ein weißes Quadrat dargestellt, das über das Originalcover geklatscht wurde. Das genügt dem Meister scheinbar, um kurz und knapp einen künstlerischen Abgleich zwischen früher und heute anzustellen. An den Songs dazu bastelte David Bowie (66) über zwei Jahre im Geheimen zusammen mit seinem alten Weggefährten Tony Visconti (Manic Street Preachers, Morrissey, Sparks, Anti-Flag) in New York. Und das Ergebnis ist so, wie es sich die Bowie-Fans gewünscht haben.

„The Next Day“ ist das erste Album Bowies mit neuen Songs seit zehn Jahren, als er mit den Werken „Heathen“ (06/2002) und „Reality“ (09/2003) stark reüssierte. An diese späten Großtaten knüpft der 66-Jährige an und schlägt dabei aber einen flinken Bogen in die späten 70er Jahre, als ihm die Berlin-Trilogie „Low“, „Heroes“, „Lodger“ endgültig Kultstatus verlieh („Dirty boys“, „Dancing out in space“). Und wenn der Meister schon einmal dabei ist, seinen musikalischen Lebensweg unter die Lupe zu nehmen, bekommen auch die Achtziger („I’d rather be high“) und die Neunziger („If you can see me“) einen kleinen Besuch abgestattet.

Das kann man nun kalkuliert oder positiver ausgedrückt ein Konzeptalbum nennen. Wichtig bei beidem ist nur, dass es musikalisch passt und Relevanz besitzt. Den Bowie der frühen 80er Jahre möchte jedenfalls niemand mehr hören. Diese Epoche vermeidet Bowie in seiner musikalischen Rückbetrachtung dann auch weitgehend, selbst wenn die mit viel Hall aufgenommenen Gitarren in „(You will) set the world on fire“ verdächtig nach seinem merkwürdigen Rock-Projekt Tin Machine klingen. Aber genau aus diesen Momenten bezieht „The Next Day“ seine Spannung, die vom ersten bis zum letzten Ton greifbar ist und die eine oder andere Überraschung wie das an die späten Queen gemahnende, dramatische „You feel so lonely you could die“ mit sich bringt.

Lange Zeit war nicht klar, ob es jemals ein weiteres Bowie-Album geben würde. Dann überraschte der Meister an seinem 66. Geburtstag, am 8. Januar 2013, mit der frohen Botschaft. Die ersten Singleauskopplungen (das pathetische „Where are we now” und das laut rockende „The stars (are out tonight)“) konnten die Euphorie noch nicht zu 100% bestätigen, doch im Verbund mit dem gesamten Songzyklus auf „The Next Day“ macht jeder einzelne Song Sinn und vor allem Lust darauf, das Werk mehrfach zu hören und langsam zu entdecken. Kann das vielleicht mal jemand einem Herrn Jon Bon Jovi erklären?

Anspieltipps:

  • Boss of me
  • Love is lost
  • Valentine’s day
  • Dancing out in space
  • How does the grass grow?
  • The stars (are out tonight)

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