Long Distance Calling - The Flood Inside - Cover
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Long Distance Calling The Flood Inside


  • Label: Superball/EMI
  • Laufzeit: 55 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Nicht zwingend genug für die Verhältnisse und Möglichkeiten der Band trotz, oder wegen des neuen Sängers.

Es dauerte bis zum zweiten Album, um zu verstehen, dass Long Distance Calling keine Post-Rock-, sondern vielmehr eine Instrumental Rock-Band sind. Nun haben sie einen Sänger an Bord und sind damit auch letzteres nicht mehr so wirklich. Martin „Marsen“ Fischer ist der neue Mann, der auf „The Flood Inside“ bei (fast) jedem zweiten Song zum Mikrofon greift und nebenbei auch die Tasteninstrumente für den ausgeschiedenen Reimut van Bonn übernimmt. Betrachten wir das Album von seinen zwei Seiten, der rein instrumentalen und der mit Gesang.

Die instrumentale Seite:
Auf dem bereits vierten Longplayer der Münsteraner befinden sich insgesamt vier Instrumentalsongs. Der Einstieg beginnt fast schon klassisch für die Band, rein instrumental, rockig, ohne viel Tempo, aber drückend und mit einem sehr überraschend ausgedehnten und beeindruckenden Gitarrensolo - ein klasse Stück. Das etwas seichtere „Ductus“ enttäuscht wiederum, weil es (im ersten Teil) nicht das magische Flair des verträumten ersten Albums, (im zweiten Teil) nicht den Rockcharakter des Zweitwerks und auch (allgemein) nicht den Tiefgang des dritten Werks erreicht. „Waves“ hingegen wäre eine gelungene, langsame und atmosphärische Nummer mit cool eingestreuten Geigentönen, wenn nicht die viel zu langen und nervigen Sprachsamples den Charakter zerstören würden. Der instrumentale Abschluss mit „Breaker“ ist ganz nett, aber auch kein Kracher, vor allem der neue Einsatz der Tasteninstrumente ist interessant.

Die Kompositionen auf „The Flood Inside“ sind kompakter als bisher und mehr auf den Punkt, also kürzere Songs, weniger lange Passagen und kein typischer langsamer Songaufbau. Das bedeutet, dass die Post-Rock-Anteile ein weiteres Mal geschrumpft sind und es hört sich zunächst an, als ob mehr Ideenreichtum, mehr Quintessenz, in den Songs steckt. Das ist aber oft ein Trugschluss, denn die ganz starken Rockangriffe, die großen Kontraste in der Musik, sind seltener geworden. Die Riffs klingen nach Altbewährtem und bleiben verhältnismäßig blass, auch wenn dafür mehr an der Gitarre soliert wird. Eine zu häufige Anwendung der für die Band bereits typischen musikalischen Handgriffe langweilt. Ohne Frage braucht jede gute Band eigene Markenzeichen, doch wenn sich einige Abschnitte und musikalische Entwicklungen zu stark ähneln, zeugt das eher von Stillstand. Bei Bands wie AC/DC wird so was nicht nur toleriert, sondern geradezu erwartet, bei Long Distance Calling dürfte dies anders sein.

Die gesangliche Seite:
Der Gesang von Herrn Fischer zählt zu der angenehm unaufgeregten, rockigen Sorte, wodurch er sich zwar unproblematisch einfügt, aber auch keine Ausdrucksstärke mit sich bringt, die der Musik entsprechen könnte. Er fungiert als eine zusätzliche Melodielinie, zumindest im Refrain, die die beiden Gitarristen in der Form nie spielen würden. Diese Melodie wird aber erst nötig, weil die Kompositionen mit Gesang etwas detailärmer und mehr nach Standard-Rockschema gestaltet sind, und nebenbei auch etwas matter produziert wurden, um die Stimme nicht zu übertönen. Haben LDC gemerkt, dass einige neue Songs in der instrumentalen Version zu wenig aufregend sind und daher einen Sänger brauchen, oder wurde einiges an einen Sänger angepasst? Zweites wäre bei einer Band, die bisher instrumental sehr gut funktioniert hat und besonders live auch ohne Sänger sehr viel Spaß macht, nicht wirklich nachvollziehbar.

Der beste Song mit Gesang ist der mit dem bereits traditionellen Gastsänger (diesmal Vincent Cavanagh von Anathema und Petter Carlsen), nicht nur wegen mehr Ausdrucksstärke, sondern vor allem auch wegen seiner musikalischen Vielseitigkeit, die die anderen „Lieder“ mit Gesang nicht bieten. Einzig „The Man Within“ zeigt noch etwas Charakter und Drive. Zum Glück sind die Münsteraner nicht nur handwerklich top, so dass die Kompositionen in punkto Abwechslung das Album trotzdem weit über das Niveau von Hunderten anderer Rockbands heben. Nur so wirklich zwingend sind die neuen Ideen für die Verhältnisse und Möglichkeiten der Band nicht. Mit „The Flood Inside“ werden Long Distance Calling sicherlich viele neue Fans, besonders im Rock/Metal-Lager, gewinnen, aber einige alte auch etwas enttäuschen..

Anspieltipps:

  • Nukleus
  • Welcome Change
  • The Man Within

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