Nightlands - Oak Island - Cover
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Nightlands Oak Island


  • Label: Secretly Canadian/CARGO
  • Laufzeit: 33 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Dave Hartley versucht als Dave Hartley wieder eine Vision in Klängen auszudrücken, die in ihrer Form dem Inhalt bei Weitem voraus ist.

Wem beim Hören von Dave Hartleys neuem Album „Oak Island“ nicht der Name Sufjan Stevens ins Gedächtnis schießt, bei dem besteht Nachholbedarf. Stevens´ „The Age Of Adz“ war ein Liebesbekenntnis an die Spielereien, die ein Singer/Songwriter so mit dem PC vornehmen kann. Wenn Blockflöten sich mit synthetischen Sounds paarten, war staunen oder Ohren zuhalten angesagt. Gefangene hat dieses Album kaum genommen. Auch der Mann mit dem Künstlerpseudonym Nightlands bewegt sich auf einer ähnlichen Schiene, die allerdings weniger einzelne Stücke, als vielmehr eine große Klanglandschaft ausstellt.

Ohne viel Bewegung innerhalb des Songs, dafür aber mit ordentlichem Tempoanstieg, stellt sich „Time And Place“ als Opener vor und man denkt sich auch, dass dies nur der gründende Einstieg ist. In Perfektion geht das Lied dann in „So Far So Long“ über und die Weichen sind gestellt. Es kündigt sich ein Mid-Tempo Pop-Song an, der allerdings ganz schnell zum verschleppten Puzzleteil eines Großprojekts wird. „So Far So Long“ ist nicht der letzte Track, der ein eingängiges Potenzial vorweist, dann aber auf eine Idee und viele sphärische Klänge reduziert wird. Der Song ist nur eine von zehn Etappen des Albums. So wartet man über drei Minuten, dass „So Far So Long“ irgendwo hingeht, um in der vierten Minute nur einen sanften, abermals sehr gut gestalteten Übergang für die nächste Etappe des Gesamtwerks zu schaffen.

Diese Etappen können als Einzelstücke durchaus ihren Reiz haben, wie zum Beispiel die konfusen „Nico“ und „Rolling Down That Hill“ oder das erdige, mit Bläsern sehr verspielt daherkommende „I Fell In Love With A Feeling“. Gerade die hektischen, elektronischen Titel versprühen einen Sci-Fi-Charme der 90er Jahre, was einen in Nostalgie, aber nicht immer in die richtige Laune für diese Musik versetzt. Dazu kommt, dass die Tracks selbst nicht den Anschein machen, als würden sie den Hörer an sich binden wollen. Nach einer halben Stunde weiß man weder, wie das Gesamtwerk klingen soll, noch was man mit den einzelnen Bausteinen anfangen soll. Alles wirkt so überambitioniert, dass man das Gefühl von Unvollständigkeit an jeder Ecke wähnt. Ob das am Hörer liegt oder am Künstler, sei einmal dahingestellt. „Oak Island“ ist ein verwirrender Ort, der faszinieren sollte, dafür aber selten die richtigen Arrangements findet.

Anspieltipps:

  • Other People's Pockets
  • Nico
  • I Fell In Love With A Feeling

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