Saint Lu - 2 - Cover
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Saint Lu 2


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 40 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Saint Lu will ihr funkiges Debüt vergessen machen und macht Adele Platz.

Wild wollte sie sein und verwegen. Viel Funk mit generischen Rockgitarren macht aber noch keine Stadionsensation. Auch wenn die Verkaufszahlen in den deutschsprachigen Ländern stimmen, war Saint Lus selbst betiteltes Debüt alles andere als ein künstlerischer Erfolg. An jeder Ecke klang die künstliche Produktion von Rock durch und außer der vollen Soul-Stimme der Sängerin ist nichts übrig geblieben. Drei Jahre nach diesem mittelmäßigen Start, erfindet sich Saint Lu gleich neu, anstatt nur an Rädchen zu drehen.

Der Grund für den Stilwechsel hat dabei einen Namen: Adele. Die Pop-Soul-Königin aus dem Vereinten Königreich ist vom ersten Ton von „Waterfall“ an zu hören. Plötzlich wird Lu nicht mehr von gewollten Rockern übertüncht, sondern die Stimme der Sängerin steht im Vordergrund. Alles ist auf Soul getrimmt und setzt von Streichern bis zu Backgroundvocals auf all die Details, die auch schon Amy Winehouse groß gemacht haben. Die Illusion ist perfekt.

Ganz trennen will sich Saint Lu dann aber dann doch nicht von ihrer heimlichen Liebe zum Rock. Sodass anstatt des idiotensicheren Openers auf die schnelle Nummer „Craving“ gesetzt wird. Leider wird bei höherem Tempo schnell klar, dass Saint Lu auch weiterhin weder so sehr leidet wie Adele es tat, noch einen so natürlichen Zugang zum Groove des Ganzen findet, wie es bei Winehouse der Fall war. Die gesangliche Qualität selbst kann oft über solche Schwächen hinwegtäuschen, doch ausradiert werden sie dadurch eben nicht. Man will es drehen und wenden, doch mehr als kurzweilig gut sind Lieder wie „Falling For Your Love“ nicht.

Insgesamt paart sich der Spaß der schnelleren Nummern aber gut mit den gefühlvollen Zwischentönen des Albums. Unter diesen beweisen „Postcard From Hell“, „I Got A Feeling“ und der tatsächlich leidend klingende Closer „Lady Of The Lanterns“, dass Saint Lu zu mehr als Mittelmaß in der Lage ist. Dagegen sprechen zwar der U2-eske Ausflug „Why Do I Want Love“ und das unentschlossene „Mrs. Suffer“, doch diese versuchte Vielfalt kann auch als Möglichkeit angesehen werden, nicht zu programmatisch zu klingen.

Im Mittelteil mogeln sich noch die ein, zwei Tracks aufs Album, die man sonst zum (un)gesunden Mittelmaß diverser Casting-Platten zählt und auch in der Produktion der meisten Lieder lässt sich die Tonstudiokälte nahezu fassen. Echter Soul sollte nicht konstruiert, sondern gelebt klingen. Abermals wird die Stimme Saint Lus den Karren aus dem Dreck ziehen müssen. Der Pop-Soul-Ansatz ist jedoch allein schon ein viel sichereres und passenderes Pferd, auf welches auf Album Nummer „2“ gesetzt wird. Trotzdem bleibt Saint Lu weiter unter Beobachtung, da das alles noch sehr gewollt und zu wenig gelebt klingt.

Anspieltipps:

  • Waterfall
  • Craving
  • Lady Of The Lanterns

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