Depeche Mode - Delta Machine - Cover
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Depeche Mode Delta Machine


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 58 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Auf ihrem 13. Album entdecken Depeche Mode den Blues für sich.

„Delta Machine“ ist das 13. Studioalbum von Depeche Mode. Und ganz egal, ob die 13 nun eine Pech- oder Glückszahl ist, werden die Meinungen über dieses Werk wie immer weit auseinandergehen. Denn selbst die Hardcore-Fans des Trios gehen sich bei der Beurteilung der Alben spätestens seit „Exciter“ (05/2001) gegenseitig fast an die Wäsche. Doch am Ende liegen sich alle wieder in den Armen, wenn die Band im Anschluss an eine Album-Veröffentlichung live in den größten Arenen der Welt aufspielt.

Dennoch: Die Streitkultur ihrer Fans und die nach wie vor vorhandene Experimentierfreude der Band, unterscheiden sie auch im 33. Jahr ihres Bestehens von anderen Künstlern, die ebenso lange dabei sind, aber sich in regelmäßigen Abständen nur selbst wiederholen. Und so steht vor dem ersten Hören von „Delta Machine“ wiederum die Frage, wohin Martin L. Gore, Andy Fletcher und Dave Gahan diesmal künstlerisch wollen. Der eine oder andere Fan wird jedenfalls erst mal gepflegt zusammenzucken, wenn er hört, dass Depeche Mode ihre Version eines Blues-Albums (!) gemacht haben.

Dazu wurde erneut Ben Hillier (The Rascals, Blur, Elbow, Suede) als Produzent ins Boot geholt, der mit seinen Erfahrungen bei den Produktionen von „Playing The Angel“ (10/2005) und „Sounds Of The Universe“ (04/2009) sowie aus der für Depeche-Mode-Verhältnisse freilich nicht neuen „Maschine und Natur“-Idee (also zum Beispiel die Kombination von Synthesizern und Gitarren) gewiss das Beste herausholen konnte. Und so zieht sich tatsächlich eine Art Elektro-Blues durch das gesamte Album, das natürlich immer noch genügend Elemente der „alten“ Depeche Mode vereint, um die Fans nicht vollends zu verschrecken. Trotzdem geht „Delta Machine“ durchaus risikobehaftete Wege. Denn so andauernd düster und minimalistisch klangen Depeche Mode lange nicht mehr. Das erschwert auf der einen Seite die Suche nach den großen Pop-Melodien der frühen 90er Jahre (die es auf diesem Album in der Tat nicht gibt!), fördert aber den Spannungsgrad des gefühlt etwas zu lang geratenem Albums.

So versuchen die ersten Singleauskopplungen zwar noch den Hörer mit schmeichelnden Melodien („Soothe my soul“ – eine Art kleiner „I feel you“-Bruder vom „Songs Of Faith And Devotion“-Album) und düsterer Balladentechnik („Heaven“) einzufangen, doch die Fixpunkte lauern diesmal woanders. Da wäre zum Beispiel die Delta-Blues-Gitarre im Rausschmeißer „Goodbye“ oder das elektronische Dröhnen und Pluckern in „Angel“, in dem ebenfalls ein guter Schuss verschwitzter Blues mitschwingt, während Dave Gahan grimmig und böse wie Nick Cave bei Grinderman ins Mikro kläfft.

In „Secret to the end“ duellieren sich schmutzige E-Gitarren mit Synthesizern, was wiederum im Kontrast zum typischen DM-Düsterpop in „Broken“ und „Soft touch/raw nerve“ steht. Absolut minimalistisch (also nur Dave Gahans Stimme und bescheidene Klangarrangements) geht es dagegen in „My little universe“ und „The child inside“ zu, wogegen „Slow“ (ein Überbleibsel Martin Gores aus „Songs Of Faith And Devotion“-Zeiten) und „Broken“, einem von fünf Tracks aus der Feder von Dave Gahan (50), grundsolide Gerüststangen von „Delta Machine“ darstellen.

Auf ihrem 13. Studioalbum müssen Depeche Mode zwar ohne einen als Hitsingle tauglichen Track auskommen, entdecken mit dem in fast allen Stücken gegenwärtigen Blues-Vibe dagegen ein Stilelement für sich, das in der Vergangenheit bereits andeutungsweise vorhanden war, den einstmals so unschuldigen Synthie-Poppern nun aber eine stärkere Klangfarbe verleiht, die ihrer künstlerisch besten Phase zu Beginn der 90er Jahren am nächsten kommt, allerdings ohne dieselbe ergreifende Tiefe wie damals zu erreichen.

Anspieltipps:

  • Slow
  • Angel
  • Broken
  • Secret to the end
  • Welcome to my world

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