Diamond Rugs - Diamond Rugs - Cover
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Diamond Rugs Diamond Rugs


  • Label: Partisan/Rough Trade
  • Laufzeit: 46 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine weitere Supergruppe kann dem Präfix vor Gruppe nicht ganz gerecht werden.

Der Ausdruck Supergroup wird gerne inflationär genutzt. Im Endeffekt heißt es nichts anderes, als dass mindestens zwei Bandmitglieder eigentlich schon in anderen Bands aktiv sind. Diese können dabei auch abseits der Top100 weltweit stehen und trotzdem darf man sich den Supergroup-Stempel aufdrücken. Es ist aber natürlich nicht immer so, dass die Band von sich aus groß darauf aufmerksam macht und die böse Medienwelt die Messlatte mit dieser Betitelung gerne anhebt.

So weit wollen wir hier natürlich nicht gehen, allerdings macht es die Promotion einem nicht leicht, wenn allein auf die Erfolge, Kollaborationen und Auftritte einiger Bandmitglieder außerhalb der Formation Diamond Rugs hingewiesen wird. Warum also überhaupt Wirbel um ein paar Musiker von Bands machen, die gerade in Übersee (also hier) kaum einer kennt? Das Ergebnis will einfacher, schmutzig klingender Rock sein. Authentizität ist das Zaubermittelchen der unbekannten Supergroup.

Stampfend und geradlinig, wie es einst Johnny Cash lehrte und sehr ähnlich der inzwischen wieder inaktiven Supergroup um Jack White, The Raconteurs, bewegen sich Diamond Rugs auf bekannten Pfaden. Lediglich der konsequente Einsatz von knatschigen Bläsern erinnert an verrückte Rock-Experimente wie Love Is All. Ansonsten geht es immer der Garage nach auf laute und dreckige Sounds zu. Wenn nicht gerade auf andere Stile zurückgegriffen wird (z.B. Blues in „Call Girl Blues“), dann darf man sich auf Rock der schlichten Sorte freuen.

Viel Retro, sowie hier und da richtig knackige Hooklines („Out On My Town“), sorgen für die nötige Abgrenzung vom Mainstream, um auch ja eine Duftmarke zu setzen. Das funktioniert bis „Country Mile“, welches als erster Track in psychedelischer Verschwommenheit verloren geht. Da kommen hallende, wie aus alten Radios krächzende Balladen („Totally Lonely“) und harmlose Liebeslieder („I Took Note“). Erst wenn die Band wieder eingängig und cool zu sein versucht, springt der Funke über. Das simple „Blue Mountains“ gräbt sich blitzschnell in Gehörgänge und „Motherland“ oder auch „Tell Me Why“ stampfen wieder fröhlich geradeaus. Letzterer Track erinnert auch daran, dass man vielleicht einfach Creedence Clearwater Revival hören sollte, aber immerhin funktioniert dieser Ansatz.

Es gibt zwei Wege „Diamond Rugs“ zu betrachten. Einerseits wären da eine Menge Retro-Momente, die nett klingen und in keiner Playlist des Genres verkehrt sind. Andererseits gibt es jedoch genauso einen verwaschenen Mittelteil, der mit halbgaren Ideen um sich wirft und aus einer potenziell guten CD ein Werk der Mittelklasse macht. Die einzig sichere Feststellung ist, dass das Endergebnis niemandem schadet, keine zu großen Herausforderungen auf Hörer zukommen lässt und beweist, dass nicht alles besser wird, nur weil man ein „Super“ davorstellt.

Anspieltipps:

  • Tell Me Why
  • Hightail
  • Call Girl Blues

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