Death Letters - Common Prayers - Cover
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Death Letters Common Prayers


  • Label: Redfield Records
  • Laufzeit: 43 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Core im eigenen Rockgemisch wird getarnt bis zum Gehtnichtmehr.

Manchmal glaubt man, dass die zwei Jungs von Death Letters uns Hörer einfach nur ärgern wollen. Auch auf ihrer neuen Scheibe „Common Prayers“ lassen sie es sich nicht nehmen, in einem Moment die legitime Nachfolge At The Drive-Ins zu sein, um im nächsten Track unsere Herzen aufzureißen, wie es früher nur Death Cab For Cutie konnten. Death Letters wollen weiterhin nicht für jedes Lied geliebt werden und machen es weiterhin nahezu unmöglich, zu verallgemeinern.

Man reibt sich die Ohren, wenn der Titeltrack ein Opener ist, der sich in hohen, gehauchten Noten und Akustikgitarre verliert. Wollen die beiden Jungs uns nur verwirren? Zumindest wird der weiche, liebliche, wenn auch nicht unbedingt große Opener nicht als bloßes Gegenmittel zu heftigem Post-Rock genutzt. Stattdessen setzt „Common Prayers“ auf einen weichen Einstieg. „We Chant Arhythmically“ ist eine Stadionhymne, die ohne große Post-Rock-Härte auskommt, bevor „Nomadic Childhood“ die musikalische Brechstange ausfährt und At The Drive In-Fans in Erinnerungen schwelgen lässt.

Diese drei Ansätze wechseln sich nach Belieben und oft ohne scheinbare Berechnung ab. Es fehlt die Größe und Konzeption eines El Cielo, sodass weniger die Abwechslung und Entdeckung, als der nahtlose Übergang der Stilrichtungen Death Letters' bewundert werden. Am effektivsten ist diese Mischung allerdings innerhalb von Tracks. Paradebeispiel hierfür ist „I Am The Coma“, welches einen auf akustischem Wege emotional aufweicht und dann mit einer gefühlvollen Post-Rock-Explosion die Kehle abschnürt. Das sind Gefühle, die nur durch Musik vermittelt werden können, auch wenn der Song selbst am Ende zu lang ausklingt.

Auch aufgrund dieses fantastischen Beispiels ertappt man sich selbst dabei, wie man akustischen und ruhigen Momenten eigentlich wie ein aufmerksames Raubtier lauscht, welches die nächste Hörbeute in Form von Post-Rock erwartet. Mit dieser Spannung spielend, hört man auf die durchgehend ruhigen Momente des Albums in der zweiten Hälfte („The Daghter Of A Diplomat“ und „In Lieu Of Flowers“) wirklich gut zu heißen. „In Lieu Of Flowers“ ist allerdings wieder so ein Beispiel, wo die Emotion gar nicht aus der Post-Rock-Explosion, sondern aus den weichen Melodien kommt, wenngleich die obligatorischen, lauten Riffs natürlich das Ende des Stücks ausmachen dürfen.

Leider hat das Duo nicht den Mut, noch mehr reine Akustik-Kunst wie „Presbyterian Hospital“ zu liefern und lässt die Ballade mit mindestens einminütigem Post-Rock-Ausflug zur Normalität verkommen, sodass das Album trotz guter Lieder mit steigender Laufzeit an Überraschung und Kraft verliert. So verschwinden einige Lieder in der Versenkung, bevor sie richtig wirken konnten („Time Or The Satellites“ und „The Daughter Of A Diplomat“) und zumindest eine dritte, reine Post-Rock-Nummer neben „Nomadic Childhood“ und „Omniscient, So You Are“ hätten sich bestimmt einige Hörer gewünscht. Dass am Ende trotzdem ein sehr gutes Album steht, unterstreicht die Klasse und Ambitionen der Band.

Anspieltipps:

  • Nomadic Childhood
  • In Lieu Of Flowers
  • I Am The Coma

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