Kaizers Orchestra - Violeta Violeta Vol.3 - Cover
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Kaizers Orchestra Violeta Violeta Vol.3


  • Label: Kaizerecords/Rough Trade
  • Laufzeit: 60 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Gewohnt ungewohnt bringen die Norweger ihre Violeta nach Hause.

Wer sagt denn, dass Bands ausschließlich auf Englisch singen müssen, um international Fuß fassen zu können? Die Toten Hosen rocken Süd-Amerika, jeder Rock und Pop mit einem 'J' davor darf erst gar nicht etwas anderes als japanischen Gesang bieten und wenn sich die Hackerszene im blauen Licht ihrer Monitore sonnt, ist der finnische Gesang von Eläkeläiset auch nicht weit. Kaizers Orchestra aus Norwegen singen seit jeher in ihrer Muttersprache. Und haben seit mehr als einer Dekade damit Erfolg. Mit ihrem achten Studioalbum bleiben sich die Kindheitsfreunde Janove Ottesen (Gesang, Gitarre, Klavier) und Geir Zahl (Gitarre, Gesang) sowie der Rest der Band in Form von Helge Risa (Orgel), Jon Sjøen (Bass) und Rune Solheim (Schlagzeug) selbst treu. Von ihrem Erfolgskurs scheinen die Nordmänner nicht abzubringen zu sein. Ihr „Violeta Violeta Vol.3“ bietet all das, was die Fans an der Band lieben.

Der Abschluss der Albumtrilogie („Violeta Violeta Vol.1“, „Violeta Violeta Vol.2“) ist natürlich eng mit seinen zwei Schwestern verbunden und im direkten Vergleich fast zwei Mal so lang wie diese zusammen. Thematisch vollendet man sein märchenhaftes Konzeptwerk und scheut gottlob auch nicht davor zurück, das eine oder andere Thema der Vorgänger zu zitieren. Wer der norwegischen Zunge mächtig ist, wird bestimmt noch ein wenig mehr Spaß an „Violeta Violeta Vol.3“ haben. Alle anderen, und das werden in unseren Breiten wohl die meisten sein, müssen sich voll und ganz auf die Musik allein verlassen. Mit ihrem fröhlichen Ompa und Polka würzen Kaizers Orchestra ihre zehn Kompositionen ordentlich auf und gestalten sie facettenreich genug, um die Grenzen zwischen Alternative-, Art- und Folk Rock verschwinden zu lassen.

Ziemlich kontrastreich geben sich ruhige Passagen und brachiale Ausbrüche die Klinke in die Hand - Pop-Rock wie auch Radiotauglichkeit („Det Polaroide Liv”) wollen und sollen den gelegentlichen Flirt mit Skandinavischem Prog der frühen und mittleren 90er-Jahre oder den kreativen Umgang mit Folk und sogar Ambient („Tvilling“) gar nicht erst ausschließen. Das bisschen Bombast darf schließlich zu keiner Zeit fehlen: „Begravelsespolka”, „Forloveren“ sowie die abschließenden „Perfekt I En Drom“ und „Sekskløver“ klotzen anstatt zu kleckern und nähern sich stellenweise dem Symphonic Rock an. Der „Larger than life“-Attitüde eines großangelegten Konzeptzyklus kommt dies natürlich zupass. Und auch sonst folgt man konsequent seiner eigenen Unberechenbarkeit und Kreativität. Selbst ein wenig Kraut hört man während „Aldri Vodka, Violeta“ aus den Lautsprechern wachsen. „Violeta Violeta Vol.3“ ist lebendig, lebhaft und voller Dynamik.

Ihrem Ruf als Liveband können und wollen Kaizers Orchestra zwar nach wie vor nicht gerecht werden, mit Energie und Spielfreude können die Norweger dann aber doch so einiges wett machen. Fans der Band scheinen sich damit aber schon längst arrangiert zu haben. Sie bekommen gewohnt kauzige und vor Kreativität überschäumende Kost geboten, die sich nur deshalb noch nicht abgenutzt hat, weil Kaizers Orchestra immer noch ein Original sind und die Violeta-Trilogie eine gewisse Stringenz voraussetzt. Wer die dreiteilige Serie nun endlich in kompletter Länge von beinahe zwei Stunden genossen hat, darf und sollte sich unbedingt über das nächste Konzert der fünf Burschen schlau machen. Live überzeugen Kaizers Orchestra grundsätzlich, auf Silberling gebannt sind sie „nur“ gut und zünden auch in ihrem 13. Jahr als Band nicht auf Anhieb. Neulinge fangen lieber mit „Evig Pint“ (2003) an, mit dem Debütwerk „Ompa til du dør“ oder besorgen sich „Violeta Violeta Vol.3“ in einem Rutsch mit seinen Vorgängern.

Anspieltipps:

  • Aldri Vodka, Violeta
  • Det Polaroide Liv
  • Siste Dans
  • Sekskløver

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