Henke - Maskenball Der Nackten - Cover
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Henke Maskenball Der Nackten


  • Label: Dryland Records/ALIVE
  • Laufzeit: 51 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer dachte, dass er schon alles kennt, der bekommt jetzt Poetry-Slam in Gothic-Manier.

Schon mal beim Poetry-Slam gewesen? Der moderne Dichterwettbewerb, der sich an immer mehr Orten findet. Kurzvorträge, die sich nicht reimen müssen und gern und oft auch ins Abstrakte abschweifen. Dabei lässt sich immer eine volle, melodische Betonung der Worte ausmachen, die den manchmal doch sehr wirren Worten mehr Zusammenhang und natürlich Stimmung verleihen soll. So arbeitet auch Oswald Henke großteils, wenn er mit seiner nach sich benannten Band instrumental dem Gothic und den frühen Rammstein (mit einer Extraportion Rrrrrrrrr) Tribut zollt.

Singen kann schließlich jeder. Und reimen wird hoffnungslos überbewertet. Es ist doch viel interessanter, Henke dabei zuzuhören, wie er artistisch mit großen Worten um sich schmeißt, die am Ende nur selten etwas aussagen. Hinter einer vollen Stimme und der übertriebenen Betonung des Buchstaben R verbergen sich nämlich äußerst expressive Texte, die an vielen Stellen Verwirrung auslösen werden. Wenn dann doch mal gesungen wird, entstehen ganz schnell hymnische Momente, die perfekt für eine Werbung wären, die losgelöst vom Rest der Musik und des Inhalts funktionieren. Gesungen werden meist leicht mitsingbare Parolen voller Leere, die zumindest ab und zu ein schönes Kostüm verleiht bekommen, wie das zumindest schön klingende „Grauer Strand“.

Ansonsten ist sich die Band nicht zu peinlich, auch ganz tief in die Mottenkiste zu greifen und Effekte herauszuholen, die an altmodische Ansätze der Gothic-Szene erinnern („Epilog“ und „Fernweh Ist“). Wenn dagegen das Piano zum Zug kommt, dann wird minimalistisch und natürlich bedrohlich melancholisch geklungen. Der Großteil von „Ein Jahr Als Tag“ und das abschließende „Medea“ sind hierbei gemeint. Da macht es Henke auch nicht besser, dass mit „Medea“ auf altgriechischen Stoff zurückgegriffen wird und die Geschichte dann auch noch mangelhaft erzählt wird.

Irgendwie will die merkwürdige Mischung aus Erzählung und Poesie mit der mal altbackenen und dann wieder triefenden Musik nicht richtig zünden. Mehr abgehoben als düster präsentiert sich Henke den Goths gegenüber wohl textlich nicht optimal. Seine Horrorfilm-Erzählerstimme dagegen wird den Mainstream abschrecken und so bereitet es wirklich Kopfzerbrechen, welche Sorte Mensch Henke erreichen wollen. Künstlerisch offene, die jedoch einen Hang zu gruselig vorgetragener und abgehobener Poesie mit Anklängen neuer deutscher Härte bevorzugen. Das nennt man im Alltagsjargon wohl Nischenmusik.

Anspieltipps:

  • Dokument 2
  • Grauer Strand
  • Maskenball Der Nackten

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