Surfact - Feeding The Beast - Cover
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Surfact Feeding The Beast


  • Label: G-Records/Rough Trade
  • Laufzeit: 49 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Von einer dänischen Programm-Schmuse-Tour, die gerne Grunge und Hardrock wäre.

Dänemark ist ein schönes Land. Es ist zwar ein wenig teuer und die Politik ist nicht immer mit mir auf einer Linie (aber wo ist sie das schon?), doch alles in allem macht Dänemark Spaß. Zur See braucht es egal von wo nicht viel mehr als eine Stunde, die Winter sind romantisch und Kopenhagen eine der modernsten und interessantesten Großstädte Europas. Auf musikalischer Ebene hat Dänemark ebenfalls die eine oder andere Überraschung auf Europa und die Welt losgelassen, auch wenn der große Erfolg meist ausblieb.

Bei all dieser blinden Liebe muss aber auch ein Dänemark-Liebhaber wie ich einsehen, dass jedes Land auch seine Schwächen hat und auch Bürger aus diesem großartigen Land nicht alles einhalten, was sie so versprechen. So liest man im Brockhaus und der Bibel des Internetnutzers, Wikipedia (und diversen anderen Seiten), dass Surfact Grunge- und Hard-Rock spielen. Diese Aussage könnte zwar falscher sein, ist aber ungefähr so zeitgemäß, als würde man diese Attribute Evanescence zuschreiben wollen, die auch nur des guten Tones wegen das Label Metal behalten durften.

Der dänische Fünfer Surfact weiß, wie man Gitarren lauter dreht und bombardiert uns wie im Opener „Absolutely Shameless“ durchaus mit harten Riffs, doch der Tenor wird spätestens im Refrain deutlich von moderner Pop-Musik beeinflusst. Dazu kommt, dass die Lieder Surfacts oft sehr vorprogrammiert klingen und nur selten eine Entwicklung andeuten. Stattdessen werden gerade Refrains sehr oft wiederholt, was ebenfalls an so manche Pop-Sünde des jungen Jahrtausends erinnert oder im besten Falle noch an die kanadischen Kuschel-Rocker von Nickelback.

Besonders Sänger Jesper Storgaards Stimme möchte man den Hard Rock nicht abkaufen. Mit deren sehr weichem Klang passt sich sein Pop-Gesang viel besser an die harmlose Radio-Hymne „Feeding The Beast“ mit Autotune-Zusatz. Hier denkt man ansatzweise schon an die schlechteren Ausrutscher der letzten Platte von The Killers. Dieser dumpfe Höreindruck verstärkt sich während der Synthie-Peinlichkeit „Higher Ground“, welche sich höchstens noch produzierte Boybands heutiger Tage antun würden, und das nichtssagende Elektro-Pop-Lied „Countless Sheep“.

Da kann man die einigermaßen authentischen Rock-Explosionen „All Night Overload“ und „Leave And Survive“ noch viel weniger ernst nehmen, als es so schon der Fall ist. Hier probiert man eine Stadionhymne an die Hörer zu bringen und da gibt es dann den typisch zarten Closer, und am Ende steht nicht nur die Frage, wo denn jetzt bitte Grunge- und Hard-Rock vorzufinden seien, sondern auch, was diese Band überhaupt für Gefühle in uns wecken möchte. Ziellos und ohne eigene Stimme offenbaren sich Surfact auf ihrem in Dänemark schon 2011 erschienenen Album weiterhin unreif und sind es weiterhin schlichtweg nicht der Rede wert.

Anspieltipps:

  • Absolutely Shameless
  • Leave And Survive
  • The Step

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