Daniel Norgren - Buck - Cover
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Daniel Norgren Buck


  • Label: Superpuma/CARGO
  • Laufzeit: 54 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Schweden-Blues und Songwriter-Pop zu neuem Leben erweckt: Schönheit, Verstörung und Experimentierlust.

Mit undefinierbaren Störgeräuschen startet Daniel Norgrens Album „Buck” und stiftet damit Verwirrung. Liegt etwa eine Verwechslung vor und rotiert Scott Walkers „Bish Bosch“ im Player? Nein, Norgren eröffnet mit einem Intro namens „Go Play With Him“, was sogleich die nächste Frage aufwirft: Will der Schwede etwa nur spielen und wenn ja, mit wem? Mit sich selbst oder gar dem Hörer? Bevor jene Fragen überhand nehmen, sind die schabenden und kratzenden Töne überstanden und wir befinden uns mitten in „Howling Around My Happy Home“, mit dem uns Norgren einen ersten großen Wurf seines außergewöhnlichen Talents aufzeigt. Ein erster hypnotischer Blues, der Stromgitarren, Orgel und Electro infiziert an Physis und Psyche des Hörers unweigerlich andockt.

Wer ist nun dieser Daniel Norgren? Als Kind bekam er eine kaputte Gitarre geschenkt, die sein Vater im Müll gefunden hatte. Heute baut der Schwede Synthesizer und Instrumente aus alten Autoteilen und Matratzen. Das vorliegende „Buck“ ist bereits sein drittes Album. Seine erste für zwei Wochen geplante Tour war so erfolgreich, dass diese verlängert werden musste. Seine erste Single „Whatever Turns You On“ lief in diversen Radio-Shows und 2012 spielte er vor ausverkauften Häusern mit The Tallest Man On Earth.

„Buck“ ist nun das Album, das einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert wird und äußerst angenehm überrascht. Nach jenem verstörenden Intro werden zwischen die Songs weitere verstörende Intermezzi gestreut, die im Gesamtzusammenhang Sinn machen. Wenn etwa dem melancholisch-schönen Songwriter-Pop „Once A Queen“ beinahe drei Minuten Störgeräusche von „Driving Ghosts Out Of Black Buck With A Weld“ folgen, setzt das Kontraste, zieht den Zuhörer in ein dunkles schwarzes Loch, dem wiederum das herzerwärmend-traurige Americana-durchdrungene „Putting My Tomorrows Behind“ entgegengesetzt wird. Seine so schnarrende wie weiche Stimme ist ein weiteres Element in diesem Gesamtkunstwerk, sie kommt ganz besonders auf „Whatever Turns You On“ zur Geltung.

Das Akkordeon auf „Black Vultures“ sumpft im Midtempo Louisiana Blues und wäre einige Takte schneller im Uptempo Cajun Berich. Auch auf „I’m A Welder“ wogt und wiegt uns ein Akkordeon in einen sanften Traum und lässt an einen jungen mit Schweden-Melancholie aufgewachsenen Ry Cooder denken. Dazu die zutiefst emotionalen Harmoniestimmen von Anders Grahn und Andreas Filipsson. Die anschließende Stille von „Tar“ lässt jenen Song im Geiste des Zuhörers nachklingen. Danach stapft der Schweden-Blues „Moonshine Got Me“, in manchen Passagen an Hugo Race mahnend, dem finalen Kirchenorgel-Folk „My Hobo Is Rambling“ entgegen. Und der Kreis schließt sich mit den verstörenden Geräuschen von „Don’t Touch It“, das uns verführt, das Ganze nochmals von vorne zu starten.

Schönheit, Verstörung und Experimentierlust vermittelt auch das Artwork. Die CD steckt in einem Hardcoverbook, das mit kunstvollen Fotos nicht geizt und zudem alle Songtexte beinhaltet. Das Wort Gesamtkunstwerk ist hier tatsächlich angebracht. Wie das einzuordnen ist? Daniel Norgren ist bereits ein ausgereiftes Singer/Songwriter Talent, das mit viel Leidenschaft zur Tat geschritten ist. Dabei hat er den Blues und den Songwriter-Pop nicht neu erfunden, ihm jedoch einige moderne Farbschattierungen hinzugefügt. Die erste wirkliche Überraschung im Jahr 2013!

Anspieltipps:

  • Once A Queen
  • Whatever Turns You On
  • Black Vultures
  • I’m A Welder
  • Moonshine Got Me

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