Lordi - To Beast Or Not to Beast - Cover
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Lordi To Beast Or Not to Beast


  • Label: AFM Records
  • Laufzeit: 43 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

„Kürze ist des Witzes Seele“ sprach einst Hamlets Oberkämmerer Polonius. Dummerweise vergessen Lordi, sich daran ein Beispiel zu nehmen.

„Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage“ äußerte sich Shakespeares Hamlet in einem Gemütszustand tiefsten Selbstzweifels. Tomi Putaansuu alias Latexmaske Mr. Lordi fällt dazu jedoch nichts Besseres ein, als den Titel seines sechsten Studioalbums „To Beast Or Not To Beast“ zu taufen und ein Cover zu präsentieren, das lediglich augenzwinkernd auf dieses legendäre und vielfach kopierte Zitat Bezug nimmt. Was hätte bei etwas mehr Ehrgeiz nur aus diesem Crossover entstehen können? Eine hart rockende Musicaltragödie, die ihren Weg auf die Bühnen dieser Welt findet? Ein vor literaturgeschichtlichen Referenzen strotzendes Rockopus, welches stilübergreifend Anerkennung erntet? Die Vorlage für eine Neuinszenierung von Shakespeares „Hamlet“ mit Musik von Lordi und Kenneth Branagh in der Hauptrolle?

Alles Wunschdenken! Die finnische Maskenbande versteift sich lieber auf altbekannte Riffszenarien und formt daraus Hymnen für das Bierzelt und die grölende Menge bei jedem x-beliebigen Festival, das etwas härtere Kost in Kauf nimmt. Dort darf dann nämlich ruhig die Bassdrum donnern („We´re not bad for the kids (We´re worse)“, „I´m the best“), zu gespenstisch-lahmen Songs wie „Something wicked this way comes“, „Horrifiction“ oder „I luv ugly“ der Alice Cooper-Lookalike-Wettbewerb ausgerufen oder seinem Gegenüber „Fuck you asshole“ in die Gehörgänge geplärrt werden („Sincerely with love“). Und wenn „Candy for the cannibal“ mit seinem gestotterten Refrain zu später Stunde die Runde macht, ist ein hoher Promillegehalt umso förderlicher.

Ja, die Fremdschämtauglichkeit übertrifft dieses Jahr die kühnsten Erwartungen und wer glaubt, Geklatsche und Glockenspielmelodien sind nur etwas für Kindergeburtstage und kleine Mädchen, der sollte sich einmal „Happy new fear“ oder „Schizo doll“ zu Gemüte führen. Doch die Maskenköpfe können auch anders: In „The riff“ werfen sie beispielsweise einen simplen wie genialen Synthieloop in den Ring, der einem tagelang nicht mehr aus dem Kopf geht. Lordi liefern mit „To Beast Or Not To Beast“ also ohne Zweifel ein Album für die speziellen Bedürfnisse eines Metalheads ab, wenn dieser nicht gerade innovatives Songwriting, progressive Achterbahnfahrten oder solide Standardware erwartet, sondern schlicht und ergreifend unterhalten werden will, denn unterhaltsam ist dieses monstermäßige Kasperltheater allemal.

Anspieltipps:

  • The Riff
  • Happy New Fear
  • Candy For The Cannibal

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