Bosse - Kraniche - Cover
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Bosse Kraniche


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Licht an, alle Fenster auf: Bosse veröffentlicht sein fünftes Album.

Axel Bosse wird noch ein ganz Großer werden, manche nennen ihn angeblich schon den Hamburger Bruce Springsteen. Wie viele Mitglieder hat dessen E Street Band gerade? So um die zehn? Eine ähnliche Anzahl von Musikern dürfte auch Bosse auf die bevorstehende Tour mitnehmen, schließlich haben auf seinem neuen Longplayer „Kraniche“ neben den konventionellen Instrumenten auch Bläser, Streicher, Bongos und sogar eine Saz Platz gefunden. Es ist das fünfte Soloalbum des gebürtigen Braunschweigers und eines kann vorweggenommen werden: So optimistisch klang der 33-Jährige noch nie.

„Ich such‘ nicht mehr und finde nur“, ist der Leitsatz des Titelstücks „Kraniche“, ein nahezu epischer Auftakt, auf den mit sicherer Präzision die aktuelle Single „Schönste Zeit“ folgt. Walkman, erstes Bier, Mofa, Nachtbus, erster Kuss, Erdbeerbowle, Kurt Cobain, erstes Tattoo, Polaroid - Bosse schaut zurück ins Jahr 1994. Die traurige Erkenntnis: „Was wir nicht können, ist irgendwas wiederholen, wir können nicht zurück.“ Die Erleichterung: „Und warum sollten wir auch?“ Dieser starke Auftakt wird abgerundet durch „Vier Leben“, ein Plädoyer für mehr Ruhe und weniger Hektik. Zitat: „Ach man sieht doch das Leben vor lauter Leben nicht.“

Und die Qualität will einfach nicht abreißen: Von zuversichtlichen Nummern, die optimistisch und in flotter Geschwindigkeit an das Gute glauben („So und so“), bis hin zu fast schon literarischen Beobachtungen („Sophie“), passt auf „Kraniche“ alles zusammen. Immer dabei: die Bosse-typische, erfreulich kitscharme Melancholie, manchmal als Überraschungspaket („Istanbul“), dann wieder in gewohnter Form („Alter Affe Angst“). Zweifel, Alltagsflucht, Stress, Liebe, Lügen, Lebensfreude, Erinnerungen - so umfangreich das Repertoire auch ist, die übergreifende Message lässt sich auf wenige Worte herunterbrechen: Keine Panik, das wird schon. Es ist schließlich nur „Konfettiregen, der in unseren Haaren klebt.“

Alles in allem ist „Kraniche“ ein wirklich gelungenes Indie-Pop-Album geworden, an dem Liebhaber der anderen Bosse-Platten höchstens die umfangreichen Arrangements und die großspurige Produktion stören könnten. Aber es geht halt immer weiter, die Verkaufszahlen steigen, die Konzerthallen werden größer. Daran mussten sich auch irgendwann die Fans von Bruce Springsteen gewöhnen.

Anspieltipps:

  • Schönste Zeit
  • Kraniche
  • Konfetti
  • So und so
  • Sophie

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