Suede - Bloodsports - Cover
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Suede Bloodsports


  • Label: Ada Global/WEA
  • Laufzeit: 40 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Stark begonnen, kolossal nachgelassen. Ein Album, das wie eine Karrierezusammenfassung klingt.

Die Band Suede zählte in den 90er Jahren zu den ganz großen Acts der BritPop-Welle, auch wenn der kommerzielle Erfolg im Vergleich zu Gruppen wie Blur und Oasis eher überschaubar war. Den Höhepunkt ihrer Beliebtheit erreichten Suede mit ihrem dritten Album „Coming Up“ (1996), das den ersten Platz der britischen Album-Charts belegte und fünf Hitsingles abwarf. Danach sank der Stern der als exaltiert geltenden BritPop-Drama-Queens allerdings rapide und im Jahr 2003, zehn Jahre nach ihrem Debütalbum, verkündeten Suede ihr Ende.

Doch nichts scheint unendlich zu sein. Denn elf Jahre nach dem letzten Studioalbum „A New Morning“ (09/2002) und zehn Jahre nach dem Split der Band, melden sich Suede überraschend mit einem Longplayer zurück, leider aber ohne ihren Ur-Gitarristen Bernard Butler. Das ist auf der einen Seite schade, da Butler für mindestens fünf Jahre das kreative Geschehen bei Suede mit lenkte, tut der Spannung aber auf der anderen Seite auch keinen Abbruch. Schließlich ist der Name Suede auch heute noch so groß, um die Massen zu faszinieren. Allerdings gibt es da auch noch eine klitzekleine Frage, die sich zum Comeback der BritPop-Wegbereiter stellt: Werden die Mannen um Sänger Brett Anderson (46) an ihren Glam-Pop-Style der 90er Jahre anknüpfen oder wird das sechste Studiowerk eine Art Modernisierung der Suede-Trademarks ergeben?

Die vorherige Weichenstellung war jedenfalls klar formuliert: „Bloodsports“ sollte laut Brett Anderson wie eine Mischung aus den Suede-Alben „Dog Man Star“ und „Coming Up“ klingen, die beide von Ed Buller (White Lies, One Night Only, Pulp) produziert wurden. Dieser saß auch für „Bloodsports“ an den Reglern. Viel eindeutiger kann eine Ansage nicht ausfallen – und mit dem theatralischen Stadion-Rock-Opener „Barriers“ bestätigt werden. Keine Frage, Suede wollen auf „Bloodsports“ an die großen Gesten ihres 90er-Jahre-Pathos-Pop anknüpfen. Dazu werfen sie gleich zu Beginn breitbeinigen Gitarren-Rock („Snowblind“), ausschweifende Refrains („Barriers“, „Sabotage“) und Andersons Talent als Drama-Queen ins Rennen („It starts and ends with you“). Gut gebrüllt, Löwe!

Verpackt in einen relativ rohen Sound, setzen Suede tatsächlich ihren pathosgetränkten 90s-Glitzer-Pop fort, den man nach dem schwachen letzten Studioalbum wirklich nicht mehr vermisst hat. Doch zumindest für eine Albumhälfte beweisen die Briten auf ihrer Comeback-Platte nun, dass sie noch immer besondere Songs im Ärmel haben. Nur ist es mit der Herrlichkeit nach Song Nummer fünf („For the strangers“) leider schlagartig vorbei und Suede verfranzen sich in belanglosen Rock-Pop („Sometimes I feel I´ll float away“), melodiefreien Balladen („What are you not telling me?“) und puren Schwulst-Liedern („Always“), die qualitativ im krassen Gegensatz zur starken ersten Hälfte stehen. Damit schlingert „Bloodsports“ am Ende sogar noch in eine kleine Katastrophe und zerstört den herausragenden Beginn des Albums mit einer satten Arschbombe vom 10-Meter-Brett.

Anspieltipps:

  • Barriers
  • Sabotage
  • Snowblind
  • For the strangers

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