Lilith Laying Down - Nether Regions - Cover
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Lilith Laying Down Nether Regions


  • Label: Bret Hard/H'ART
  • Laufzeit: 66 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Kölner halten der endlosen Metal-Welt den Spiegel vor: Alles ist erlaubt, aber nicht alles funktioniert auch.

Subgenres im Heavy Metal gibt es viele. Und wenn man sich keinem zuordnen will oder Aufmerksamkeit sucht, erfindet man einfach ein eigenes. Lilith Laying Down sind da eine Ausnahme, denn sie haben von allem ein bisschen. Eduardo Vizzarro (Gitarre), Lars Kaufmann (Bass), Marc Spiekermann (Schlagzeug) und Pavlos Batziakas (Gesang und Gitarre) kommen aus Köln und haben sich ihre eigene Nische geschaffen. Die vier haben 2009 mit ihrer Demo „What Lies Beneath“ bereits gezeigt, was sie können. Mit ihrem Debütalbum „Nether Regions“ legen sie nun nach und jonglieren munter mit Stilrichtungen, Einflüssen und Ideen. Bei Lilith Laying Down eine Zielgruppenorientierung zu suchen, wäre daher ein wohl erfolgloses Unterfangen.

Das Material auf „Nether Regions“ ist zwar qualitativ hochwertig, doch aufgrund eines fehlenden roten Fadens kaum homogen. Metal-Profis übersehen dies zumindest mit einem zugedrückten Auge und entdecken bei jedem Hörgang regelmäßig Neues. Auch wenn Dark Metal der kleinste gemeinsame Nenner scheint, pflügt das Kölner Quartett das komplette Metal-Feld. Das mag vorerst recht negativ anmuten, jedoch ergreifen die Musiker die Chance, sich auszuleben, anstatt vor Genre-Grenzen zu verzweifeln und/oder das Prog-Alibi als letzten Ausweg wahr zu haben. Während der Opener „Fated To Die“ noch recht modernen Metal mit Gothic und Dark verbindet, sieht es bei den restlichen Kompositionen teilweise komplett anders aus. Das folkig angehauchte „King Of Gods“, welches sich nach und nach in einen schmissigen Dark-Monoliten entwickelt, zieht schon ganz andere Saiten auf.

Besonders interessant ist die gesangliche Leistung von Pavlos Batziakas, welche fast durchgängig einen Löwenanteil der Dominanz an sich reißt. Mal klingt er rauchig-rotzig wie Hedtfields James („Life Is That Pain“, „Mens Fate“) - die restliche Band passt sich per Metallica-Schema an. Dann wiederum bewegt sich Batziakas in tiefe Gefilde, die besonders an diverse Vokalisten der Gothic-Metal-Sparte erinnern. Das Organ Jyrki Linnankivis der Sleazer/Darkster von The 69 Eyes sowie der beinahe schon flehende sakrale Gesang von Eric Clayton (Saviour Machine) bieten eine genauere Vorstellung. Man höre sich nur einmal die akustisch gehaltene Beinahe-Hymne „Death Of A Norseman“ oder die balladesken, an Opeth der „Damnation“-Phase erinnernden, „Even The Light“ oder „Tear In My Eye“ an! Ach ja: Growls kann er auch („Nightmare Of Your Life“, trotz abermaliger 'tallica-Anleihen)!

Es ist der hohen Qualität der einzelnen Kompositionen geschuldet, dass sich „Nether Regions“ stets über Wasser halten kann. Die Kölner beweisen eine Menge: Sie beherrschen ihre Instrumente, haben einen guten Sänger an Bord und können/kennen einen ganzen Blumenstrauß an Metal-Subgenres. Fast schon wirkt es so, als wolle man seinen ganz persönlichen Helden Tribut zollen und einfach mal alles ausprobieren, was geht. Doch so sehr sich der Hörer an den vielen Ideen und Inspirationen erfreuen mag, so sehr wird der eine oder andere mit fehlender Kohärenz anecken. Als Erstling ist „Nether Regions“ jedoch trotzdem beachtlich und setzt eine interessante Duftmarke. Dennoch: Bei aller Liebe und dem wahrgenommenen Talent Lilith Laying Downs - das nächste Mal bitte entweder Thrash- oder Dark- oder Modern Metal!

Anspieltipps:

  • Life Is That Pain
  • You Defy
  • Death Of A Norseman
  • Mens Fate

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