Anthrax - Anthems - Cover
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Anthrax Anthems


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 34 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit dieser lieblosen und unfertig wirkenden Mini-Kompilation tun sich Anthrax keinen Gefallen.

Unter dem augenzwinkernden Namen Metallicats („Covering all your favorites“) experimentierten die Bay-Area-Heroen bereits 1998 auf ihrem „Garage Inc.“ mit teilweise genrefremden Kompositionen. Knapp 15 Jahre später ist nun auch für ein anderes Viertel der Big Four die Zeit reif: Anthrax hauen nach ihrem hochgelobten „Worship Music“ ein Output der etwas anderen Art raus. „Anthems“ ist eine EP, auf der sich Joey, Scott und Co. ordentlich austoben und ihren Helden Tribut zollen dürfen - nicht mehr und nicht weniger. Rush („Anthem“), Thin Lizzy („Jailbreak“), AC/DC („TNT“), Boston („Smokin'“), Cheap Trick („Big Eyes“) oder auch Journey („Keep On Runnin'“) werden allesamt von den New Yorkern verwurstet. Dabei ist es überraschend, wie bieder die Coverversionen runtergenudelt werden.

Anstatt ihnen ihre eigene Note zu verpassen, spielen Anthrax extrem nahe am Original. Das muss nicht schlecht sein, schließlich ist „Anthems“ als Tribut-Album zu verstehen, doch gerade bei Namen wie Boston und Journey verspricht man sich von einer Thrash Metal-Band wie Anthrax, dass sie einfach mehr interpretiert und mit den Songs spielerischer umgeht. Einzig und allein der Härtegrad ist dann und wann mal ein wenig erhöht, die Songs bleiben aber klar zu erkennen und taugen damit höchstens für die Setlist eines Dorf- oder Gemeindefestes. Die Hammondorgel von der Sessionmusiker-Koryphäe Fred Mandel, zu hören in „Smokin'“, ist da fast symptomatisch und soll stellvertretend dafür stehen, dass auf dieser EP eben keine Anthrax spielen, sondern lediglich Belladonna, Ian, Bello, Benante und Caggiano, die ein paar ihrer Lieblinge nachzocken. Durch die zwei Versionen vom tollen, hier jedoch völlig deplatzierten „Crawl“, welches bereits auf „Worship Music“ erschienen ist, entsteht zudem ein Kontrast, der „Anthems“ endgültig zum bloßen Gimmick degradiert und dem Ganzen sogar noch eine bittere Maxi-CD-Aura verleiht.

Vielleicht hätte es geholfen, wenn man „Anthems“ als echtes Coveralbum produziert hätte - alternativ auch gerne als Doppelalbum mit B-Seiten und Demos. Der Sammler, und an den ist diese EP letztendlich gerichtet, hätte somit mehr für sein sauer verdientes Geld bekommen. Gerade hinsichtlich der zwei Albumauskopplungen von „Crawl“ fragt man sich, warum der Platz nicht noch für ein anderes Cover genutzt wurde? Haben Anthrax so wenige Lieblingsbands? Hatten sie einfach keinen Bock mehr? Auch wenn es sich hier letztendlich „nur“ um eine EP handelt, wirkt das alles recht flüchtig und unfertig, schon alleine wenn man bedenkt, was andere Bands in Sachen Spielzeit und Angebot unter einer EP verstehen.

Echte Fans akzeptieren die Entscheidung und greifen natürlich dennoch zu. Sie sollten aber natürlich nichts erwarten, was an das Originalmaterial von Anthrax herankommt, geschweige denn dem üblichen kreativen Anspruch gerecht werden will oder kann. Fazit: Eine Scheibe für echte Fans und Sammler, die nach wenigen Hördurchgängen vom heimischen Musik-Archiv einverleibt und auch nie wieder den Weg aus diesem finden wird.

Anspieltipps:

  • Anthem
  • Smokin'
  • Big Eyes

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