Killswitch Engage - Disarm The Descent - Cover
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Killswitch Engage Disarm The Descent


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

„Wir haben immer darüber gesprochen, noch aggressiver zu werden“, lockte der Pressezettel den ahnungslosen Kritiker.

Killswitch Engage sind als Vorreiter und Speerspitze des vielerorts geliebten wie gehassten Subgenres Metalcore gebrannte Kinder. Kein (Fort-)Schritt bleibt unentdeckt, kein neuer Song wird nur an der eigenen Diskographie gemessen, der Eintritt von Howard Jones nach dem Abgang von Jesse Leach 2001 kommt einem Sakrileg gleich. Doch wie es der Zufall (oder der barmherzige Metalgott) will, kehrt der verlorene Sohn nach mehr als zehn Jahren wieder in die Obhut seiner Gemeinde zurück (Jones versucht, sein Diabetes in den Griff zu bekommen) und die Fangemeinde freut sich wie ein frisch lackiertes Schaukelpferd. Gut, wenn nun alles beim Alten ist, dürfte „Disarm The Descent“ ja ein ähnliches Brett wie das selbstbetitelte Debüt (07/2000) oder das nachfolgende „Alive Or Just Breathing“ (05/2002) sein und das Metalcore-Gleichgewicht ist abermals im Lot. Fazit: Kaufen!

Moooment! Erstens hat ein Sänger allein noch nie über die Qualität eines ganzen Albums bestimmt und zweitens gibt es neben den weinerlichen „Früher war alles besser“-Anhängern, die nur zwei Alben von Killswitch Engage im Regal stehen haben, auch jene, denen die Pathosmasche der letzten Ergüsse äußerst gut gefallen hat und die werden Jesse Leach (Gesang), Adam Dutkiewicz (Gitarre), Joel Stroetzel (Gitarre), Mike D´Antonio (Bass) und Justin Foley (Schlagzeug) doch nicht vollkommen im Regen stehen lassen, oder? „Du wirst die Killswitch hören, die du kennst und liebst, eine Prise Hardcore, den Spirit von 'Alive Or Just Breathing' und jede Menge neue Dinge“ verlautbart der neue alte Mann hinterm Mikro. Ist „Disarm The Descent“ womöglich ein Best Of der interessanten Art geworden?

Der völlig von der Leine gelassene und durchwegs starke Auftakt mit „The hell in me“ und „Beyond the flames“ kann sich jedenfalls ordentlich hören lassen und das anschließende „neue Erwachen“ präsentiert ein auf den Punkt gebrachtes Metalcore-Schmankerl, bei dem die fünf Herrschaften die aufgekratzten Gitarren von Unearth und die Aggressivität von As I Lay Dying destilliert und mit ihrem vorzüglichen Gespür für Melodie vermengt und verfeinert haben. Das war es dann auch schon mit den Jubelrufen, denn „In due time“ und „A tribute to the fallen“ kuscheln sich an ein mitgrölkonformeres Niveau, soll heißen, trotz fetzigen Unterbaus und eingängigen Leads könnten beide Nummern auch neben The Black Eyed Peas und Beyoncé die Halbzeitshow des Super Bowl bestreiten. Genügend Metalheads im Publikum vorausgesetzt.

Kurze Lichtblicke gibt es danach in Form eines sagenhaft gut eingesetzten Gitarrensolos von Dutkiewicz, womit die Einbindung von Old School Heavy Metal-Elementen weiter vorangetrieben wird („Turning point“), und den über jeden Zweifel erhabenen Schlagwerker Foley, der seine Drumkits mit einer Hingabe bearbeitet, dass es eine einzige Wohltat ist, ihm bei seiner Arbeit zuzuhören („All we have“, „The call“). Ansonsten krabbeln zahnlose Wiederholungstäter nach Schema - prügelnde Härte trifft auf flauschigen „As Daylight Dies“-Schmalz - aus den Boxen („You don´t bleed for me“, „No end in sight“, „Time will not remain“) und verwässern den in puncto Konsistenz und Relevanz ansonsten wieder auf einem annehmbaren Level angekommenen Output des Fünfers.

Ein ziemlich großes Ass haben die Jungs aus Massachusetts aber noch im Ärmel und das lautet auf den Namen „Always“. Nach einer halben Minute fälschlicherweise als obligatorische Schunkelballade für aufgeschlossene Justin Bieber-Teenies abgetan, entpuppt sich die Nummer trotz oder gerade wegen ihrer ruhigen, gothicartigen Natur als natürlicher und authentischer als so einiges, was in den letzten Monaten im U-Musik Fach das Licht der Musikläden erblickt hat. „Killswitch Engage haben sich das Brennstofffeuer jenes explosiven experimentellen Moments zurückgeholt, als sie erstmals die scheinbar ungleiche Energie von At The Gates und Carcass mit der Artnoise von Bloodlet und Deadguy vermengten“, frohlockt der Waschzettel zu „Disarm The Descent“. Was aber noch viel wichtiger ist: Die Rückkehr von Jesse Leach ist nicht nur kosmetischer Form, sondern bringt den stotternden Metalcore-Motor wieder auf Vordermann und Killswitch Engage wieder auf Augenhöhe mit diversen Jungspunden, von denen sich Dutkiewicz & Co. im Laufe der Zeit den Schneid haben abkaufen lassen.

Anspieltipps:

  • Always
  • All We Have
  • Beyond The Flames
  • The New Awakening

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