Soilwork - The Living Infinite - Cover
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Soilwork The Living Infinite


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 84 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Innovationen aber auch Kompromisse machen Soilworks neunten Streich zu einer runden Angelegenheit.

Soilwork, eine Erfolgsgeschichte: Die Helsingborger Kapelle um Strid, Flink, Karlsson, Verbeuren, Coudret und Andersson ist schon längst im Metal-Olymp angekommen und könnte sich eigentlich auf ihren Lorbeeren ausruhen. Stattdessen fahren sie schwere Geschütze auf und veröffentlichen ihr erstes Doppelalbum. „The Living Infinite“, mit knapp 84 Minuten Spielzeit randvoll gefüllt, klotzt anstatt zu kleckern. Was mit „Steelbath Suicide“ (1998) und „The Chainheart Machine“ (2000) begann und schließlich in „Figure Number Five“ (2003) oder „Stabbing The Drama“ (2005) seinen kritischen und kommerziellen Zenit erreichte, wird hier konsequent als Basis genutzt. „Sworn To A Great Divide“ baut auf dieser genauso auf, wie es „The Living Infinite“ tut. Die einstigen Unterrichtsstunden in der Göteborger Schule scheinen nicht vergessen - das kleine bisschen Alternative Metal behalten sich die Jungs von Soilwork aber stets im Hinterkopf, wenn es um das Komponieren ihrer Songs geht.

Das ist gut, denn durch Elemente, die schwer einzuordnen sind, basteln die Schweden an ihrer eigenen Identität weiter. Einem Genre-Primus wie In Flames macht man zwar weiterhin Feuer unter dem Hintern, wenn dann aber ein stark metallisches Blinzeln in Richtung Anathema weist, ist das schon ein ganz anderer Schnack: In „Entering Aeons“ und stellenweise „Tongue“ oder auch „The Living Infinite I“ hält man an seiner kreativen Grundausrichtung fest und führt sie auf ein neues Level. Bei „Whispers And Lights“, inklusive akustischer Gitarren, die stark an den Indie-Rock (!) erinnern, verkommen die pointierten Riff- und Doublebass-Ausbrüche gar zum bloßen Alibi. Gleichermaßen jonglieren Soilwork auf „The Living Infinite“ mit großen Melodien und Bombast - mehr als je zuvor. Songs wie „Drowning In Silence“, „Vesta“ oder „The Momentary Bliss“ erinnern in ihrer Funktion als eingängige Hymnen beinahe an die späten Amorphis, ohne aber jemals zu kopieren.

Und wer „Windswept Mercy“ als einen Pop- und Metal-Hybriden à la Devin Townsend (bzw. das noch „freiere“ Devin Townsend Project) aus dem Hut zaubert, muss sich schon seine Gedanken gemacht haben. Der Terminus Death Metal verkommt in diesem Zusammenhang fast schon zur Farce. Soilwork kriegen dann doch noch rechtzeitig die Kurve und bleiben sich im Großen und Ganzen treu. Die Trademarks, die man nach und nach etablierte, finden sich auch auf „The Living Infinite“. Riffgewitter wie „Long Live The Misanthrope“, „Rise Above The Sentiment“, „Realm Of The Wasted“ und das beinharte „Let The First Wave Rise“ sind allesamt waschechte Vertreter des schwedischen Melo Death´ und eine sichere Bank für alle Fans, die besonders Soilworks Arbeit seit 2003 zu schätzen wissen. Lediglich an der Tatsache, dass „The Living Infinite“ mit seinen zwei Tonträgern ziemlich üppig ausgefallen ist, wird sich der eine oder andere Fan stoßen. Bei all den Ideen laufen Soilwork nicht nur einmal Gefahr, das Fass überlaufen zu lassen. Wäre hier weniger mehr gewesen?

Das ist schwer zu sagen, denn trotz der zahlreichen Innovationen wirkt das Doppelalbum letztendlich wie aus einem Guss. Alternativ wäre eine klare Aufteilung in die harten und (wenn man so will) experimentellen Titel dennoch gar keine so schlechte Idee gewesen. Bei Opeth hat das schließlich auch geklappt. Ein wenig Zeit sollte der Hörer jedenfalls mitbringen. Das Endergebnis ist, dass die Soilwork'schen Musikanten auf dem richtigen Weg sind und „The Living Infinite“ vielleicht sogar so etwas wie ein zukünftiges Übergangsalbum der Schweden darstellen könnte.

Anspieltipps:

  • This Momentary Bliss
  • Tongue
  • The Windswept Mercy
  • Whispers And Lights
  • Long Live The Misanthrope
  • Rise Above The Sentiment

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