Amplifier - Echo Street - Cover
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Amplifier Echo Street


  • Label: KScope/EDEL
  • Laufzeit: 61 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Das leise Echo in den Weiten des Universums.

Fragezeichen schweben über dem Kopf. Ein neues Album, das ganz plötzlich und überraschend während der Arbeit an einem ganz anderen Album angekündigt wurde. Eigentlich warteten alle Amplifier-Hörer gespannt auf „Mystoria“, den vermeintlichen Nachfolger vom selbst veröffentlichten Mammutwerk „The Octopus“, doch Sel und Matt tauchten in die Archive der Band ein und holten einige eingestaubte Ideen hervor, die sie gemeinsam mit den beiden neuen Bandmitgliedern zu einem neuen Album verarbeiteten. Zwischenzeitlich ist nämlich geschehen, was sich schon seit längerem abgezeichnet hat, der ehemalige Gitarrist von Oceansize, Steve Durose, der die Band regelmäßig auf Konzerten unterstützt hat, ist ein festes Mitglied von Amplifier geworden. Außerdem hat Neil die Band verlassen und Alexander „Magnum“ Redhead hat seinen Platz am Bass eingenommen.

Sel, der Kopf der Band, beschreibt die Entstehung des neuen Albums mit dem Dasein eines Rockhirten, der seine Schäfchen zunächst in zwei Grüppchen aus jeweils weißen und schwarzen Schafen trennt, bevor er sie nach Schönheit sortiert. „Echo Street“ ist somit die Gruppe der weißen Schafe, die im Kontrast zu den schwarzen Schafen vom Vorgänger „The Octopus“ steht, was auch sehr gut an den Differenzen der Albencover zu sehen ist, das große Monster aus den dunklen Tiefen wird beerbt von dem unschuldigen kleinen Kind in weiß. Musikalisch ist „Echo Street“ aber vielmehr die ruhigere, hellere und leichtere, wenn auch nicht unbedingt freundlichere Schwester vom Erstwerk. Am besten beschrieben wird die Musik durch die Coverinnenseite, auf der von dem kleinen Kind nur noch der Umriss zu sehen ist, ihr Inneres zieren die Weiten des Universums. Der Mensch als Teil des Universums trägt das Universum in sich.

„Echo Street“ teilt sich in zwei Hälften, von denen die erste sich langsam entwickelnde Songs enthält, die irgendwann die typische spacerockige Phase erreichen, bestens repräsentiert durch „Extra Vehicular“ mit den schrammelnden Gitarren und all dem Verstärkerbombast. Die zweite Hälfte ist nachdenklicher und die Songs etwas monotoner. „Between Today And Yesterday” besitzt mit seiner akustischen Ummantelung, den Gesangsmelodien und den Hintergrundchören eine gewisse Unbeschwertheit, an die nur der erste Teil von „Where The River Goes“ heran kommt. Das Album eröffnende „Matmos“ ist da ganz anders, es hat eine ganz spezielle, etwas bedrückende Atmosphäre, die schön mit dem sehr eingängigen Gesumme kontrastiert. Die Vielseitigkeit des Albums offenbart sich erst nach und nach, weil sich die verschiedenen Stimmungen der einzelnen Stücke erst mit der Zeit entfalten und dem Hörer offenbaren.

Eine gewisse Übergangsalbum-Mentalität ist „Echo Street“ nur schwer abzusprechen, aber das liegt zum Großteil an der zum Rest der Diskographie diametralen Art. Es ist ein interessant anderes Album, das der Band dabei hilft, die Erwartungshaltung der Fans zu senken, denn ein zweites „The Octopus“ wird es sicherlich nicht geben. Nebenbei konnten sich die neuen und alten Bandmitglieder gegenseitig musikalisch besser kennen lernen, die Neuen wurden mit in den Kreationsprozess eingegliedert und gleichzeitig neue Arbeitsweisen ausprobiert. So ein Umbruch in der Band kann ganz gut dazu dienen, alte Strukturen aufzusprengen.

Anspieltipps:

  • Matmos
  • Extra Vehicular
  • Where The River Goes

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