Phosphorescent - Muchacho - Cover
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Phosphorescent Muchacho


  • Label: Dead Oceans/CARGO
  • Laufzeit: 47 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
7.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Traumhaft schöne Gänsehaut-Americana mit Saiten, Synthies und Gainsbourg-Jauchzern.

Wer Phosphorescents Tribut-Album an Willie Nelson („To Willie”, 2009) mitzählt, der rechnet sein neues Werk „Muchacho“ als sein bereits sechstes. Hinter dem Interpretennamen steht der Singer/Songwriter Matthew Houck, der 2003 sein Debüt vorlegte und mit „Here’s To Taking It Easy“ (2010) ein Meisterwerk veröffentlichte, das ihm den Durchbruch bescherte. Wer Houcks Alben kennt, der weiß, dass er sich ständig weiterentwickelt, ohne dabei seine Wurzeln aufzugeben. Insofern ist es nicht überraschend, dass auf seinem aktuellen Longplayer Synthesizer ins Spiel gebracht werden.

Dennoch bleibt ein Zusammenzucken nicht aus, wenn einem die synthetischen Klänge des einführenden „Sun, Arise! (An Invocation, An Introduction)“ ins Ohr blubbern, die sich letztlich als glasklar sprudelnde Quelle erweisen. Dazu lässt Matthew Houck seine Stimme in ein weites Blau hinausfliegen, in jene aufgehende Sonne, die er besingt. Beschwörend wiegt sich Houck in eine traumhafte, sanfte Trance, die auf „Song For Zula“ zurückhaltender fortgeführt wird, dieses Mal mit an Streicher mahnenden Synthies, in denen Houck wehmütig seine Stimme baden lässt und dabei Johnny Cash zitiert: „Love is a burning thing / and it makes a fiery ring“. Irgendwo zwischen Classic-, Americana- und Glam-Rock platziert sich „Ride On / Right On“, das einen mitswingen lässt, Finger schnippend und Boogieschritte andeutend und in die zackig leidenschaftlichen „huuhs“ miteinstimmend. Die sind von einer naturgegebenen Serge Gainsbourg-Lässigkeit, die so selten geworden ist in der aktuellen Musikszene.

Dagegen versetzt einen „A Charm / A Blade“ in die reine Americana-Glückseligkeit von „Here’s To Taking It Easy“ zurück, wobei Houck wieder jene kurzen Freuden-Jauchzer einsetzt, die für besonders berührende Kicks beim Hörer sorgen. Wiederholt klingt Houcks Gesang vervielfacht (die Chorstimmen!), hallt über und mit der Cosmic Americana Music der kongenial aufspielenden Band. Die Melancholie und Anmut von „Muchacho’s Tune“ lassen sich einem die Nackenhaare aufrichten, das Zusammenwirken von Gesang, Piano und Trompete ist zum Heulen schön. Weit über den Horizont hinaus träumen uns „A New Anhedonia“ oder auch „The Quotidian Beasts“, und lassen uns mit Gänsehaut und der Frage zurück, wie es Matthew Houck wiederholt gelingt, eine dermaßen hohe Emotionalität auf seine Stimmbänder zu transportieren.

Zum Abschluss weint die Pedal Steel mit Piano und Trompete die heilsamen Freudentränen namens „Down To Go“, Houcks Stimme wieder von herzzerreißender Emotionalität und den Ausklang „Sun’s Arising (A Koan, An Exit)“ findend, der den Kreis um dieses Wunderwerk schließt. Übersetzen wir Phosphorescent mal ganz frech und einfach mit „Nachleuchten, das Stunden anhalten kann“. Ein Umstand, der „Muchacho“ zu Eigen ist und ihn weit über andere Americana-Acts hinaushebt. Bravo, Muchacho!

Anspieltipps:

  • Song For Zula
  • A Charm / A Blade
  • Muchacho’s Tune
  • Down To Go

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