Marnie Stern - The Chronicles Of Marnia - Cover
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Marnie Stern The Chronicles Of Marnia


  • Label: Kill Rock Stars
  • Laufzeit: 33 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
4.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine charmant offenherzige Versöhnung aus experimenteller Rock-Weirdness und dem Harmonieverständnis des Pop.

Schwierige Nuss. Kennt man die drei vorherigen Marnie-Stern-Alben kommt nach dem Genuss von „The Chronicles Of Marnia“ die Sinnfrage auf, wohin die Reise mit Fräulein Stern noch gehen mag. Das virtuose Fingertapping wird wohl für immer ihr Markenzeichen sein, wie der Newsom ihre Harfe. Auch ihre chaotischen, unorthodoxen Math-Rock-Rhythmusstrukturen und der dazu kontrastierende Pop-liebliche Gesang.

Und, ja, dass sie mit dem vierten Longplayer nun eingängiger, besser: zugänglicher, wird als auf den wilderen, noisygeren Vorgängern, tut gut und war vielleicht logischer Schritt für eine Musikerin, die im (female) Math-Noise-Rock-Bereich alles abgegrast zu haben scheint. Aber irgendwie, halt, andersrum: Wäre „Chronicles Of Marnia“ das erste Album, welches wir von Marnie Stern zu hören bekommen, es wäre als kleiner Geniestreich zu bewerten. Innovativer Indie-Rock in so nie gekannter Form. Eine charmant offenherzige Versöhnung aus experimenteller Rock-Weirdness und dem Harmonieverständnis des Pop.

Aber es ist nicht aus der Welt zu denken, dass es das vierte Mal ist, dass wir Marnie Stern beim nonchalanten Fingertapping erster Güte bestaunen und dabei ihrer prototypisch-US-amerikanischen, lieblich-weiblichen Kreisch-Stimme lauschen. Gut, endlich, und wahrscheinlich hat der Drummer-Wechsel zumindest marginal damit zu tun (Zach Hill prügelt jetzt bei Death Grips), überkommen einen keine ADHS-Stresssymptome mehr beim zu häufigen Konsum von Marnie Stern.

In angenehmem Tempo wissen „You Don't Turn Down“, „Nothing Is Easy“, „East Side Glory“ und „Hell Yes“ den Weg zu weisen über dieses gekonnte Math-Rock-Gelände. Und doch fehlt der berühmte und viel beschworene Zauber. Ist die Stern vielleicht doch nicht das ewige next big thing aus New York City? Sondern eher vielleicht eine Musikerin, die ihre ureigene, fürwahr inkommensurable Nische gefunden hat und es sich in dieser gemütlich gemacht und hübsch eingerichtet hat. Und das ist wahrlich nicht despektierlich gemeint.

Anspieltipps:

  • You Don't Turn Down
  • Nothing Is Easy
  • East Side Glory
  • Hell Yes

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