Idiomatic - New Terrain - Cover
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Idiomatic New Terrain


  • Label: Exogenic Music Group
  • Laufzeit: 44 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Nicht neu, aber mehr als solide und ziemlich intensiv: Finnlands Antwort auf Keane und Dredg.

In Finnland sind die Tage kurz, der Alk ist teuer (bzw. unbezahlbar) und schon in der Vorschule bangen die kleinen Strolche angeblich zu feinsten Metalklängen. Schon ein lustiges Völkchen! Wenn eine junge Band aus eben diesem Land daher kommt und das Cover-Artwork (Schriftzug inklusive) von „My Head Is An Animal“ der Polarkreis-Kollegen von Of Monsters And Men kopiert, sorgt das direkt für Verwirrung. Komische Käuze am Strand scheinen wohl extrem angesagt zu sein. Bei Idiomatic aus Finnland dürfen sie zudem fröhlich durch die Gischt hopsen und den Schniedelwutz entblößen. Wunderbar! Hinter diesem Cover verstecken sich fünf junge Musiker: Idiomatic wurden 2007 in Finnland gegründet und haben nach nunmehr sechs Jahren ihren Erstling im Schlepptau. Dem Hörer wird „Soft Rock mit New Wave Einschlag“ versprochen. In Wahrheit gehen Idiomatic einige Schritte weiter. Das Rad erfinden sie sicher nicht neu, lassen es dafür aber ohne Probleme rotieren.

„New Terrain“ erschließt entgegen seiner Bedeutung sicherlich kein neues Gelände, lässt sich aber auf bereits entdecktem Land nieder, um das bestehende Fundament für seinen eigenen Ausbau zu nutzen. Dabei bauen die Finnen besonders auf BritPop der melancholischen Sorte: Keane der „Under The Iron Sea“- und „Perfect Symmetry“-Phase standen für ein Gros des Materials Pate. Wenn die fünf Knaben demnach direkt im Opener „Body And Soul“ ihre Gitarren zu dem warmen Piano galoppieren lassen, bombastische Wall of Sounds herauf beschwören und sogar ein wenig Arcade Fire-Bombast einarbeiten, ist das ganz großes Kino! Songs wie „Lights Go Down“, der Titeltrack im Speziellen oder „Ready To Depart“ folgen dem Muster, erinnern stark an die Engländer und finden zwischen ihrem beschwingten doch melancholischen Sound eine gute Mitte. Als Kontrast fungieren Kompositionen wie „You Are Not The Sun“, „Neon Signs“ und „There's No Promise“, die recht sphärisch daherkommen und mit ihren verstimmten Gitarren an die Post-„El Cielo“-Ära von Dredg erinnern. Leicht „noisige“ Ausbrüche und zaghafte Experimente schlagen die Brücke zum Art-Rock und heben Idiomatics Debütalbum zusätzlich von der Pop/Rock- und BritPop-Basis ab.

Gerade das Spiel mit den Gegensätzen und die dichte Atmosphäre machen „New Terrain“ so außerordentlich interessant. Lediglich die erste Single „Lost Together“ schießt über das Ziel hinaus und wirkt mit seinen rotzigen The Hives-Anleihen wie ein totaler Fremdkörper und stellt ein absolutes Auskopplungs-Alibi dar. Dass Idiomatic bereits als Support für The Subways fungierten, scheint da auch ein mehr als fauler Kompromiss zu sein. „Lost Together“ ist an und für sich ein solider Rocker, reißt aber nur unnötig raus und ist extrem deplatziert. Im Endeffekt trübt das den durchweg guten Gesamteindruck von „New Terrain“ aber kaum. Schließlich wurde die Skip-Taste erfunden. Die muss dann auch nur ein Mal betätigt werden, denn was die Finnen da als Debüt abliefern, ist von vorne bis hinten wirklich empfehlenswert. Fans der genannten Inspirationsquellen von Idiomatic und/oder von Pop, der leicht vom Weg abkommt, dabei ein wenig mit Komplexität spielt, am Ende jedoch trotzdem die Übersicht behält, sollten den fünf Herren aus Suomi unbedingt eine Chance geben.

Anspieltipps:

  • Body And Soul
  • New Terrain
  • You Are Not The Sun
  • Lights Go Down
  • There's No Promise

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