They Might Be Giants - Nanobots - Cover
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They Might Be Giants Nanobots


  • Label: Lojinx/ALIVE
  • Laufzeit: 45 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Scheint so, als ginge das Zeitalter der Nerds langsam zu Ende...

John Flansburgh und John Linnell sind einfach nicht zu stoppen. Die beiden hoch kreativen und innovativen Geeks aus Brooklyn und Lincoln haben nach drei Dekaden im Musik-Business immer noch einiges zu sagen. In Form von They Might Be Giants haben sie unter dem (selten dermaßen gerechtfertigten) Banner des Indies den Mainstream schon längst erschlossen. Ihr 16. Longplayer „Nanobots“ setzt da an, wo sie mit anderen Studiowerken aufgehört haben und feiert erneut gepflegte Unberechenbarkeit in musikalischer Form. Und auch wenn „Nanobots“ keinesfalls schlecht ist, macht sich erste Ermüdung spätestens jetzt bemerkbar.

Wie dem auch sei: Eine eventuelle Neuerfindung des Sounds wäre sowohl unerwünscht, als auch unsinnig gewesen. Und so ist „Nanobots“ das Album geworden, das man von den Nerds erwartet hat. Fans freuen sich besonders darüber, dass man anscheinend versucht hat, sich dem allseits beliebten Sound der 90er-Jahre anzunähern. Auch wenn das Duo bereits deutlich bessere, spannendere Zeiten erlebt hat und ihr Sound streng genommen ständig im Wandel und gleichzeitig doch so unverkennbar (und irgendwann auch berechenbar) geworden ist, ziehen Flansburgh und Linnell das gewohnte Programm konsequent durch. Überraschungen gibt es keine, bekannte Stärken bleiben auch solche, ohne dass man sich zu weit aus der Comfort Zone wagt und all zu krasse Experimente eingeht. Der kauzige und unbeschwerte Indie-Pop der Giants zeigt sich in Songs wie „Lost My Mind“, „Stone Cold Coup d'Etat“, „9 Secret Steps“, „The Darlings Of Lumberland“ oder „Icky“. Natürlich darf auch nicht das Schielen in Richtung Kinderlied fehlen - „Nanobots“ und „Tesla“ sollen hier stellvertretend stehen. Ausnahmen und Brüche sind dagegen überraschenderweise versteckt. Die leicht angejazzten „Replica“ und „Too Tall Girl“, „Insect Hospital“ mit einer tollen J Mascis-Gedenk-Schrammelgitarre und das leider recht kurz ausgefallene, rockige „Great“, stechen klar aus der Masse hervor und sind in einer sehr organischen Art und Weise kreativ.

Stichwort Masse: Ganze 25 Tracks finden sich auf „Nanobots“. Davon sind aber ganze sechs so kurz, dass sie die 30-Sekunden-Grenze nicht mal im Ansatz erreichen. Über Sinn und Unsinn von Interludien lässt sich streiten - so richtig glücklich ist die Idee aber nicht. Die Giants sind zwar für die eine oder andere sehr kurze Nummer bekannt, eine solche Menge an Fillern haben sie sich bisher jedoch noch nicht erlaubt. Fairerweise muss gesagt werden, dass diese keine Stolpersteine darstellen und - zumindest in einem Rutsch gehört - nicht auffallen. Die treuen Fans von They Might Be Giants bleiben in der Hinsicht sowieso gelassen. „Nanobots“ ist ganz im Sinne der Anhänger der Band ein Ereignis. Alle anderen werden mit einem Album wie „The Spine“ (2004) oder den großen Klassikern wie „Flood“ (1990) und „Apollo 18“ (1992) sehr viel glücklicher. Zwar geht es nach wie vor verschroben und abgefahren zur Sache, doch eine Abnutzungserscheinung wird nach mehr als 30 Jahren Bandgeschichte mehr und mehr hörbar.

Anspieltipps:

  • Stone Cold Coup d'Etat
  • Too Tall Girl
  • Insect Hospital
  • Great

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