Finntroll - Blodsvept - Cover
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Finntroll Blodsvept


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Der finnische Karneval ist wieder in der Stadt!

Was macht man als Begründer eines Genres? Richtig! Man versucht seinen Fans mit jeder Veröffentlichung neues Futter zu bieten, damit diese nicht vergessen, warum sie ein Subgenre wie Pagan Metal überhaupt hören. Finntroll schicken sich nun bereits zum sechsten Mal an, um ihren Anhängern den eigens entworfenen Stempel, der Zünftiges wie Black oder Death Metal mit Folkinstrumenten mischt, in frische Farbe getaucht, in die Gehörgänge zu träufeln. „Wir sind einen Schritt zurückgegangen. Die Produktion ist weniger poliert und schräg. Als grobe Orientierung kann man sagen, dass „Blodsvept“ den Irrsinn von „Nifelvind“ (02/2010) mit dem klassischen Ansatz auf „Nattfödd“ (04/2004) verbindet“, erläutert Hauptsongschreiber Trollhorn.

Dem Wahnwitz der siebenköpfigen Truppe hat dies allerdings keinen Abbruch getan. Erneut regieren Humppa-Melodien die Tracks und selbst wenn es einmal ungehobelter oder forscher zur Sache geht, kann man sich sicher sein, dass unter der harten Fassade irgendwo eine kleine Melodie versteckt ist, die einem mehrere Wochen lang nicht mehr aus dem Kopf geht. So legen Finntroll auch schon im titelgebenden Opener mit einem vorzüglichen Ohrwurmrefrain los, während „Ett folk förbannat“ mit kurzen Tempowechseln auf sich aufmerksam macht, „När jättar marschera“ wütend durch die Tundra stapft und „Mordminnen“ eine feuchtfröhliche Ska-Party feiert, bis es mit „Rösets kung“ in die nächstbeste Bar geht, um erst einmal kräftig ein Bier zu heben, damit es sich nachher auch besser zu „Skövlarens död“ torkeln lässt, dem es trotz Kuhglocke jedoch etwas an Originalität und Tempo fehlt.

Dieses Problem besitzt der skandinavische Lucky Luke mit Banjo im Anschlag keineswegs und reitet mit hochgezogenen Mundwinkeln munter durch die finnische Prärie („Skogsdotter“), als plötzlich dunkle Wolken aufziehen und „Häxbrygd“ dem munteren Treiben ein jähes Ende bereitet. Als Ausgleich geht dafür danach eine aberwitzige Fusion aus Varietétheater, Inspector Gadget-Thema und Xylophon-Burlesqueshow an den Start („Tva ormar“) und das nahtlos ineinander überlaufende „Fanskapsfylld“ rauscht unerbittlich im Humppa-Tempo nach vorne, bis es vom „Midvinterdraken“ zerstampft wird, der zusätzlich zu seiner atemberaubenden Soundtrack-Kulisse eine donnernde Black Metal-Breitseite ausspuckt und „Blodsvept“ somit zähnefletschend ausklingen lässt.

Nach über 15 Jahren vollkommen wahnsinniger Songideen fragt man sich, wann sich bei Finntroll eigentlich die erste Erschöpfung breit macht. Es kann doch schließlich nicht sein, dass tausende andere Bands bereits beim zweiten Album in punkto Kreativität die Segel streichen und die Mannen aus Helsinki eine abgefahrene Idee an die nächste reihen, als ob es das Einfachste der Welt wäre. Aber worüber regen wir uns hier eigentlich auf? „Blodsvept“ ist ein kunterbuntes, freches und spritziges Pagan Metal-Album, das sich auf dem gleichen Niveau seiner Vorgänger einfindet. Na dann Skål!

Anspieltipps:

  • Tva Ormar
  • Skogsdotter
  • Mordminnen
  • Midvinterdraken

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